Dienstag, 08. Dezember 2009
Mehr als hundert Tote: Explosionen erschüttern Bagdad
In Bagdad sind rund 120 Menschen gestorben, als Terroristen fünf große Bomben neben öffentlichen Gebäuden zündeten. Etwa 450 Menschen wurden nach Angaben von Augenzeugen und lokalen Medien verletzt. Wenige Stunden später legte der Präsidentschaftsrat den 6. März als Termin für die Parlamentswahlen fest. Die Wahlen bieten den Irakern die Chance, Politiker abzuwählen, die als unfähig oder korrupt gelten.
Die genaue Zahl der Opfer der Anschläge ließ sich zunächst nur schwer ermitteln, weil noch Stunden nach den Explosionen unter den Trümmern der beschädigten Gebäude nach Vermissten gesucht wurde. Offiziell war von 112 Toten die Rede. Irakische Agenturen berichteten sogar von 115 bis 127 Opfern. Es war bereits die dritte Serie von Terroranschlägen in Bagdad seit dem Abzug der US-Armee aus der Stadt.
Eine Frau nach einem der Autobombenanschläge.
(Foto: dpa)
Der erste Sprengsatz, der am Morgen detonierte, war im Auto eines Selbstmordattentäters versteckt, der sich in der Nähe einer Schule in dem südlichen Vorort Al-Dura in die Luft sprengte, als eine Polizeipatrouille das Gebäude passierte. Unter den 15 Toten waren Polizisten und Schüler. Dann explodierten im Abstand weniger Minuten vier Autobomben auf einer Straße, die zum Innenministerium führt, in der Nähe des Arbeitsministeriums vor einem Kunstinstitut und unweit eines Gerichtsgebäudes.
Im Kinderkulturhaus von Bagdad, das neben dem Kunstinstitut liegt, wurden zahlreiche Kinder von Glassplittern getroffen. Das Parlament bestellte Ministerpräsident Nuri al-Maliki sowie mehrere Minister und Kommandeure der Sicherheitskräfte für kommenden Donnerstag zu einer Befragung zur Sicherheitslage ein.
Fortschritten folgen Bomben
In Washington verurteilte das US-Außenministerium die Anschläge. Die Angriffe hätten das Ziel, nach der Einigung auf ein Wahlrecht weitere politische Fortschritte in Bagdad zu torpedieren. "Es handelt sich nicht um einen Zufall", sagte Ministeriumssprecher Philip Crowley. Jedes Mal, wenn es im Irak Fortschritte gebe, reagieren Extremisten mit Bomben. Auch die irakische Ministerin für Menschenrechte, Wijdan Salim, sah einen direkten Zusammenhang mit den bevorstehenden Parlamentswahlen. Bis zum Frühjahr sei mit einem Anstieg der Gewalt zu rechnen, sagte die Ministerin während eines Schweizbesuches.
Im August waren durch eine Bombenserie im Regierungsviertel von Bagdad rund 100 Menschen ums Leben gekommen. Im Oktober starben 153 Iraker, als kurz hintereinander neben dem Justizministerium und dem Gebäude des Provinzrates Bomben explodierten.
dpa
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