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Brief an die Bundeskanzlerin: Flüchtlinge wollen "Würde von Frauen schützen" und verurteilen die Gewalt an Silvester.
Brief an die Bundeskanzlerin: Flüchtlinge wollen "Würde von Frauen schützen" und verurteilen die Gewalt an Silvester.(Foto: imago/Reiner Zensen)

Exzesse an Silvester : Flüchtlinge schreiben Brief an Angela Merkel

"Wir treten dafür ein, die Würde und Ehre von Frauen zu schützen". Vier Flüchtlinge distanzieren sich in einem offenen Brief an Kanzlerin Merkel von den Übergriffen in der Silvesternacht, äußern ihr Entsetzen und bieten ihre Hilfe an.

Vier Flüchtlinge aus Duisburg und Mülheim/Ruhr haben sich mit einem Offenen Brief zu den Silvesterübergriffen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. In dem Schreiben bekunden sie ihr Entsetzen und Abscheu angesichts der Vorfälle in Köln, Hamburg und Stuttgart, an denen vermutlich Migranten und Flüchtlinge beteiligt waren. Andererseits zeigen sie sich schockiert über die flüchtlingsfeindlichen, islamfeindlichen und kulturalistischen Reaktionen in Politik und Öffentlichkeit.

In dem am Samstag in Duisburg veröffentlichten Schreiben heißt es, "auch für uns ist die Würde des Menschen unantastbar, ob Mann oder Frau. Für uns ist es selbstverständlich, die Gesetze des Aufnahmelandes zu achten."

Sie seien vor Krieg und Terror, vor Bomben, politischer Verfolgung und sexuellen Übergriffen geflohen, schreiben die Männer - drei Syrer und ein Pakistani. "Wir sind froh, endlich in Deutschland Schutz gefunden zu haben." Viele Flüchtlinge seien gläubige Muslime oder Christen und teilten die Werte ihrer Glaubensbrüder und -Schwestern in Deutschland, betonen die Autoren. "Wir treten dafür ein, die Würde und Ehre von Frauen zu schützen, wie es Koran und Bibel gebieten."

Darüber hinaus erklären sie ihre Bereitschaft, im Rahmen ihrer Möglichkeiten "mitzuhelfen, dass sich Verbrechen wie die in Köln nicht wiederholen und die Gastfreundschaft der Deutschen missbraucht wird". Weitere Flüchtlinge, die sich diesem Brief anschließen wollen, könnten sich in Unterschriftenlisten eintragen, teilte der Flüchtlingsrat Duisburg mit. Dazu wurde das Schreiben ins Englische und Arabische übersetzt.

Bereits am Samstag hatte der Berliner Integrationsexperte Kazim Erdogan fehlende Protestdemonstrationen nach der Silvesternacht beklagt. Überall in Deutschland hätten Männer, egal aus welchen Teilen der Welt, auf die Straße gehen müssen, um zu sagen: "Wir ächten das und ekeln uns vor so etwas. Warum können wir diesen Mob nicht bloßstellen?", sagte der Psychologe im RBB. Die betroffenen Frauen brauchten jetzt Unterstützung und Solidarität.

Quelle: n-tv.de

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