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Kriminalbeamte der Spurensicherung untersuchen den Tatort vor der Flüchtlingsunterkunft.
Kriminalbeamte der Spurensicherung untersuchen den Tatort vor der Flüchtlingsunterkunft.(Foto: dpa)

Neue Dimension der Gewalt: Flüchtlingsheim mit Kriegswaffe angegriffen

Seit Monaten häufen sich Anschläge auf Flüchtlingsheime in ganz Deutschland. Im Schwarzwald erreicht die Gewalt nun eine neue Qualität: Dort werfen Unbekannte eine Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft.

Der Angriff auf das Flüchtlingsheim im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen ist bundesweit der erste Fall, bei dem Sprengstoff zum Einsatz kam. "Bis jetzt hatten wir zwar mehrere Fälle, in denen Pyrotechnik verwendet wurde", sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden. "Dass nun eine Kriegswaffe zum Einsatz gegen eine Flüchtlingsunterkunft kam, ist neu."

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"Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung." Der Experte des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger, erklärte, von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn sowohl Sprengstoff als auch Zünder vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Handgranate sei scharf gewesen. Die BKA-Sprecherin warnte davor, die Lage vorschnell zu bewerten: "Eine seriöse Einschätzung kann erst erfolgen, wenn alle Umstände berücksichtigt wurden."

Die Handgranate war in der Nacht zum Freitag über einen Zaun auf das Gelände der Erstaufnahmestelle im Schwarzwald-Baar-Kreis geworfen worden, explodierte aber nicht. Sie war bei einem Container des Sicherheitsdienstes gefunden und später von Entschärfern des Landeskriminalamtes kontrolliert gesprengt worden. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Erst am Mittwoch hatte es im Zusammenhang mit einer Razzia gegen die Betreiber des rechtsextremistischen Internet-Portals "Altermedia Deutschland" auch Durchsuchungen in dem Schwarzwald-Ort St. Georgen gegeben, der nur 15 Kilometer von Villingen-Schwenningen entfernt liegt. Der Polizei-Sprecher konnte nicht sagen, ob hier möglicherweise ein Zusammenhang besteht. Am Donnerstag gab das BKA bekannt, dass die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte im vergangenen Jahr enorm gestiegen ist.

Quelle: n-tv.de

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