Politik

Geschlechtertrennung im Bus: Frau in Israel sorgt für Aufruhr

Für die einen sind es mittelalterliche Ansichten, andere pochen auf ihre religiösen Traditionen. Gemeint ist die Geschlechtertrennung bei ultra-orthodoxen Juden in Israel. Eine junge Frau, die die Lebensweise der Ultra-Orthodoxen zwar respektiert, sich aber nicht demütigen lassen will, sorgt für einiges Aufsehen im Heiligen Land.

Straßenszene aus Jerusalem.
Straßenszene aus Jerusalem.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine junge Frau hat in Israel für Aufsehen gesorgt, weil sie sich der Geschlechtertrennung in einem Bus nicht unterwerfen wollte. Die 28-Jährige fuhr von der Hafenstadt Aschdod nach Jerusalem in einem Bus und setzte sich am Freitag direkt hinter den Fahrer. Ein strengreligiöser Jude sei darüber sehr verstimmt gewesen und habe sie gedrängt, in den für Frauen vorgesehenen hinteren Teil des Busses zu gehen, so die Frau.

"Keiner kann mir vorschreiben, wo ich sitzen soll, nur weil ich eine Frau bin", sagte Tanya Rosenblit der Zeitung "Jediot Achronot". "Ich sitze, wo ich will." Einige der religiösen Fahrgäste seien über die Anwesenheit der Frau so erbittert gewesen, dass sie die Tür blockierten und den Bus etwa eine halbe Stunde aufhielten. Ein von dem Fahrer herbeigerufener Polizeibeamter habe die junge Frau ebenfalls gefragt, ob sie nicht die Lebensweise der Ultra-Orthodoxen, die zwischen Männern und Frauen trennen, respektieren wolle.

"Ich sagte ihnen, dass ich sie genug respektiere, um mich züchtig zu kleiden", erzählte sie dem israelischen Rundfunk. "Aber ich lasse mich nicht demütigen." Der wütende Mann stieg schließlich aus. Er habe sie als "Schikse" beschimpft, ein jiddischer Ausdruck für eine nicht-jüdische Frau, berichtete die Frau, die als Produzentin für den Fernsehsender "Jewish News 1" arbeitet. Oberrabbiner Jonah Metzger lobte im Fernsehen die junge Frau, warnte aber auch vor "Provokationen".

Geschlechtertrennung ist freiwillig

Vor allem in religiösen Stadtgebieten Jerusalems fahren viele "koschere" Busse, in denen die Frauen hinten sitzen müssen. Die für den jüngsten Vorfall zuständige Busgesellschaft teilte mit, eine Trennung der Geschlechter in öffentlichen Verkehrsmitteln sei nur zulässig, wenn Passagiere sich freiwillig daran hielten.

Der Vorfall schlug in den israelischen Medien hohe Wellen. Einige Kommentatoren lobten Rosenblit als Heldin und verglichen sie mit Rosa Parks. Die afroamerikanische Bürgerrechtlerin hatte 1955 in den USA Geschichte geschrieben, als sie sich während der Zeit der Rassentrennung weigerte, einem weißen Fahrgast ihren Platz im Bus zu räumen.

Quelle: n-tv.de

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