Dienstag, 27. Oktober 2009
Bundestags-Vizepräsidenten: Frauen in der Überzahl
Der Bundestag hat in das neue Präsidium neben dem Präsidenten Norbert Lammert (CDU) fünf Stellvertreter gewählt, einen weniger als bisher. Nach dem schlechten Wahlergebnis musste die SPD einen Posten abgeben. Im Gegensatz zum gesamten Bundestag sind bei den Vizepräsidenten die Frauen in der Mehrzahl:
Wolfgang Thierse (SPD): Der 66-Jährige hat die erste Wahl um das Vize-Amt bereits bestanden. In der Fraktion setzte sich der Berliner klar gegen seine Fraktionskollegin Susanne Kastner um den verbliebenen SPD-Platz durch. Der Berliner hat die längste Erfahrung an der Parlamentsspitze. Von 1998 bis 2005 war er selbst Parlamentschef, vor vier Jahren musste er dann auf den Vize-Sessel ausweichen. Der gebürtige Breslauer und studierte Kulturwissenschaftler, dem das Etikett des wortgewaltigen Moralisten anhängt, hat nach der Wende eine steile Karriere in der SPD gemacht. In der Partei gilt er als Linker. Sein Direktmandat in Berlin-Pankow hat Thierse am 27. September verloren. Mit 371 Ja-Stimmen erzielte er bei der Vizepräsidentenwahl das schlechteste Ergebnis.
Hermann Otto Solms (FDP): Die Rückkehr auf den Stuhl des Sitzungsleiters im Plenarsaal muss der Liberale erst noch verarbeiten. Lange galt es als sicher, dass der 68-Jährige künftig als Finanzminister auf die Regierungsbank wechselt. Die ausgebliebene Beförderung will der steuerpolitische FDP-Vordenker aber sportlich nehmen. Solms, eigentlich Prinz zu Hohensolms-Lich, der seinen Adelstitel nicht führt, gehört ohnehin zu den eher stillen in der FDP-Fraktion, der um seine Person wenig Aufhebens macht. Der promovierte Agrar-Wissenschaftler aus Hessen sitzt seit fast 30 Jahren im Parlament und ist seit 1998 Vize-Präsident. Als Schatzmeister kümmert er sich auch um die bislang jedenfalls meist leere FDP-Kasse. Er wurde mit 487 Ja-Stimmen wiedergewählt.
Gerda Hasseldfeldt (CSU): Politik liegt in ihrer Familie im Blut. Schon ihr Vater saß für die CSU im Bundestag. Verheiratet ist die 59- Jährige zudem mit einem ehemaligen Abgeordneten. Die aus Straubing stammende Volkswirtin war unter Kanzler Helmut Kohl zunächst Bau- und dann Gesundheitsministerin. Die zweifache Mutter gehört seit 1987 dem Bundestag an und wurde vor vier Jahren erstmals zur Vize-Präsidentin gewählt. Mit 496 Ja-Stimmen erhielt sie jetzt das beste Ergebnis aller fünf Lammert-Stellvertreter.
Petra Pau (Linke): Die 46-jährige Berlinerin rückte erst mit einiger Verspätung im April 2006 in die Parlamentsspitze auf. Lothar Bisky, der ursprüngliche Kandidat der Linksfraktion, war bei der Wahl am Widerstand der Union gescheitert und durchgefallen. Petra Pau wurde dagegen einige Monate später akzeptiert, obwohl die Diplom- Gesellschaftswissenschaftlerin auf eine frühere SED-Mitgliedschaft und die Mitarbeit beim Zentralrat der Freien Deutschen Jugend (FDJ) zurückblickt. Die ehemalige stellvertretende PDS-Vorsitzende gilt in ihrer Partei als Reformlinke. Bei der Bundestagswahl gewann sie ihr Direktmandat im Berliner Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf klar mit 47,6 Prozent. Sie wurde mit 379-Ja-Stimmen im Amt bestätigt.
Katrin Göhring-Eckardt (Grüne): Die mit 43 Jahren jüngste und dritte Ostdeutsche in der Bundestagsspitze ist als Politikerin ebenso bekannt wie als Kirchenfrau. Die Mutter von zwei Kindern aus Thüringen, die als Vordenkerin für schwarz-grüne Bündnisse gilt, sitzt seit 1998 im Bundestag und war von 2002 bis 2005 Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Danach wurde sie Parlaments-Vize. Im Mai wurde Göring-Eckardt zum neuen Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. 2011 wird sie den Evangelischen Kirchentag in Dresden leiten. Wiedergewählt wurde sie am Dienstag mit 473 Stimmen.
dpa
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