Politik

Libyscher Präsident einfach verärgertGaddafi ließ Uran herumstehen

04.12.2010, 11:19 Uhr

Nur weil er sein Zelt nicht bei den UN in New York aufstellen durfte, ließ Libyens Staatschef Gaddafi offenbar einige Fässer waffenfähiges Uran unbewacht in der Gegend rumstehen. Die USA und Russland mussten sich viel Mühe geben, um Gaddafi wieder umzustimmen.

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Kleiner Ärger, große Wirkung: Gaddafi ist offenbar leicht reizbar. (Foto: REUTERS)

In der Serie der Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks ist ein höchst gefährlicher Zwischenfall aus Libyen publik geworden. So soll der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi mehrere Kilogramm hochgiftiges radioaktives Material aus Verärgerung über einen verweigerten Zeltplatz in New York in dünnen Behältern und kaum abgesichert gelagert haben. Das waffenfähige Uran, der Rest des vor Jahren eingestellten libyschen Atomprogramms, hätte eigentlich nach Russland zur Endlagerung abtransportiert werden sollen, berichtete die "New York Times" aus den in Wikileaks veröffentlichten diplomatischen Depeschen des US-Außenministeriums.

Doch das russische Transportflugzeug, das die 5,2 Kilogramm nuklearen Materials im vergangenen Jahr abholen sollte, verließ Libyen ohne Ladung. Nach Darstellung amerikanischer Diplomaten hatte Gaddafi die radioaktiven Stoffe aus Verärgerung darüber zurückgehalten, dass ihm im September während seines Besuchs bei der UN-Generalsversammlung in New York das Errichten seines Zeltes in Manhattan verweigert worden war. Nach US-Darstellung hätten die dünnwändigen Fässer "in spätestens drei Monaten Risse" bekommen, in der Folge wäre dann hochgiftiges nukleares Material ausgetreten. Die Fässer waren demnach nur für den Transport versiegelt, nicht aber für eine dauerhafte Lagerung.

Erst nach wochenlangen Geheimverhandlungen mit russischen und amerikanischen Diplomaten habe sich Gaddafi bereiterklärt, das angereicherte Uran besser bewachen zu lassen. Ende Dezember schließlich sei das nukleare Material nach Russland ausgeflogen worden.

Libyen hatte 2003 im Gegenzug für Sicherheitsgarantien und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen sein Atomwaffenprogramm aufgegeben.

Quelle: dpa/AFP