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Terroralarm in Sydney: Geiselnehmer droht mit Bomben

Offenbar setzt die Polizei auf eine Zermürbungstaktik. Seit Stunden befinden sich in einem Café in Sydney mehrere Menschen in der Gewalt eines Geiselnehmers. Die Polizei steht in Kontakt mit dem Mann, der mit Premier Abbott reden will - und eine Flagge des IS verlangt. Nach eigenen Angaben ist er schwer bewaffnet.

Der bewaffnete Geiselnehmer, der in einem Café in Sydney mehrere Menschen in seiner Gewalt hat, hat offenbar seine Forderungen erklärt. Geiseln meldeten sich inzwischen telefonisch bei australischen Fernsehsendern und übermittelten die Wünsche des Täters. Demnach verlangt er, dass ihm die Flagge der Terrorgruppe Islamischer Staat gebracht werde.

Außerdem will er den Berichten zufolge mit Premierminister Tony Abbott sprechen. Dem Fernsehsender "Ten" sagte er zudem, dass er vier Bomben deponiert habe - zwei im Café, zwei an anderer Stelle im Geschäftsviertel von Sydney. Die Polizei wollte diese Berichte nicht bestätigen und sprach von Spekulationen. Solange die Verhandlungen andauerten, wolle sie sich nicht zu Details äußern.

Die Polizei hat die Umgebung des Martin Place mitten im zentralen Geschäftsviertel der australischen Metropole weiträumig abgesperrt. Gebäude in unmittelbarer Nähe wurden zum Teil geräumt. "Meiden Sie Martin Place wegen eines Polizeieinsatzes", twitterte die Polizei.

Vermutlich Einzeltäter

Bei dem Drahtzieher der Geiselnahme handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen einzelnen Bewaffneten. Die Polizei hat inzwischen Kontakt zu ihm. Details dazu wollte eine Sprecherin der Polizei nicht nennen. Auch über sein mögliches Motiv wollte sie sich nicht äußern. Allerdings schloss die Polizei einen extremistischen Hintergrund nicht aus. Ministerpräsident Tony Abbott sagte, es gebe Anzeichen dafür.

Der Polizeichef von New South Wales, Andrew Scipione, betonte, dass es oberste Priorität der Polizei sei, die Geiseln sicher zu befreien. Er hoffe sehr, dass die Geiselnahme friedfertig ausgehe. Bislang sei offenbar keiner der Gefangenen verletzt. Details will Scipione derzeit nicht nennen. Zugleich bedankte er sich für die Unterstützung der Bevölkerung.

Isslamexperte Michael Lüders sieht in der Geiselnahme nicht "die Handschrift einer professionellen Terrororganisation". Dazu sei das Verhalten des Täters zu ungewöhnlich, sagte Lüders bei n-tv. Er vermutet, dass die Geiselnahme nun "Wasser auf die Mühlen" von Premierminister Abbott sei, der bereits bekannt sei für seine harte Linie gegen den Terror. "Man darf davon ausgehen, dass die ohnehin schon scharfen Terrorgesetze weiter verschärft werden", so Lüders.

Der Geiselnehmer zwingt die Gefangenen dazu, eine Flagge mit arabischen Schriftzeichen hochzuhalten.
Der Geiselnehmer zwingt die Gefangenen dazu, eine Flagge mit arabischen Schriftzeichen hochzuhalten.(Foto: Twitter/JennyPerezTV)

Fünf Geiseln konnten inzwischen aus dem abgeriegelten Café in Sydney freikommen. Live-Aufnahmen des australischen Fernsehsenders Channel 7 zeigten, wie drei Männer aus dem Lokal rannten. Zugleich war zu sehen, wie die bewaffnete Polizei auf die Tür des Lokals vorrückte. Wenig später gelang es noch einmal zwei Frauen, aus dem Café zu flüchten.

Die geflohenen Männer sagten, bisher sei niemand verletzt worden. Nach ihren Angaben befinden sich etwa 15 Menschen in der Hand des Geiselnehmers. Die Polizei bezifferte die Zahl der Festgehaltenen auf "weniger als 30".

"Mohammed ist der Bote Allahs"

Fernsehsender zeigten, wie die Geiseln, die sich im "Lindt Chocolat Café" befanden, mit erhobenen Händen an den Fenster lehnten. Zwei mussten eine schwarze Fahne mit arabischen Schriftzeichen hochhalten. Dabei scheint es sich um das islamische Glaubensbekenntnis Schahada zu handeln. "Es gibt keinen Gott außer Allah, Mohammed ist der Bote Allahs", heißt es auf der Flagge. Es ist nicht die Fahne der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Andere Aufnahmen zeigten den Geiselnehmer: ein Mann mittleren Alters mit grauem Bart und einem Kopftuch, auf dem offenbar arabische Schriftzeichen stehen. Der Mann trägt zudem einen schwarzen Rucksack.

Der Großmufti Australiens verurteilte die Geiselnahme in einer Stellungnahme als kriminellen Akt. "Solche Aktionen werden im Islam verurteilt", teilte Ibrahim Abu Mohamed mit. Der Vorsitzende der libanesischen Muslime, Samier Dandan, sagte im Rundfunk: "Wenn die muslimische Gemeinde irgendetwas tun kann - wir sind bereit."

Alarmstufe "Terroranschlag wahrscheinlich"

Der öffentliche Verkehr wurde vorerst umgeleitet, der Betrieb der U-Bahnen unterbrochen. Am berühmten Opernhaus der Stadt war die Polizei ebenfalls im Einsatz.

"Es gibt Menschen auf dieser Welt, die uns Böses wollen", sagte Abbott. Er berief den Nationalen Sicherheitsrat ein. "Dies ist ein sehr besorgniserregender Zwischenfall. Alle Australier können versichert sein, dass Polizei und Sicherheitskräfte gut ausgebildet und ausgestattet sind, um darauf zu reagieren."

Australien ist seit September unter erhöhtem Terroralarm. Es gilt Alarmstufe drei der vierstufigen Skala, was bedeutet "Terroranschlag wahrscheinlich". Bei einer Großrazzia vereitelte die Polizei im September nach eigenen Angaben einen Anschlag mit geplanten Enthauptungen auf australischem Boden. Die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, am Parlament und bei großen Veranstaltungen waren unlängst verschärft worden.

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Quelle: n-tv.de

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