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Start frei: Der Flughafenbetrieb kann 2012 auch bis Mitternacht weitergehen.
Start frei: Der Flughafenbetrieb kann 2012 auch bis Mitternacht weitergehen.(Foto: dpa)

Bahn frei für Berliner Mega-Airport: Gericht erlaubt Nachtflüge

Der neue Großflughafen in Berlin wird nach seinem Start 2012 nur fünf Stunden Pause im Flugbetrieb machen. Fluglärmgegner scheitern vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit ihrer Klage gegen den geplanten Nachtflugbetrieb. Damit können Flugzeuge bis Mitternacht und ab fünf Uhr früh starten und landen.

Schlappe für die Fluglärmgegner: Am neuen Berliner Großflughafen dürfen die Maschinen künftig bis Mitternacht und auch am frühen Morgen starten und landen. Das Bundesverwaltungsgericht wies Klagen von Anwohnern gegen die bisherige Regelung des Nachtflugbetriebs auf dem neuen Airport ab. Gänzlich freie Bahn bekommen die Airlines aber nicht: Das Gericht verfügte, dass spät abends deutlich weniger Flugzeuge unterwegs sein sollen als tagsüber - falls nicht, müssten Maßnahmen ergriffen werden, um den Fluglärm einzudämmen.

Die Planer hätten die Lärmschutzinteressen der Anwohner ausreichend berücksichtigt, entschied das höchste Gericht. Die Kläger nannten das Urteil eine "Katastrophe", die Betreiber einen "Meilenstein". Einige Nachbargemeinden des neuen Flughafens im Süden der Stadt, der 2012 öffnen wird, wollten eine Erweiterung des Nachtflugverbots. Nach derzeitiger Planung sollen zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr keine Flugzeuge starten oder landen - die Anwohner wollten aber, dass schon ab 22.00 Uhr und dann bis 6.00 Uhr morgens Ruhe herrscht. Davon wären 77 Linien- und Charterflüge betroffen gewesen.

Luftfahrtbranche triumphiert

Das Gericht folgte in seinem Urteil nun den Argumenten des Flughafenbetreibers und der Planungsbehörden: Die nächtlichen Verbindungen seien notwendig, um Berlin besser an den internationalen Flugverkehr anzubinden. Bald werde der neue Airport zudem der einzige der Hauptstadt sein - Tegel stellt den Betrieb Mitte 2012 ein, Tempelhof ist bereits geschlossen.

Pech gehabt: Anwohner des neuen Flughafen werden nur fünf Stunden Ruhe bekommen.
Pech gehabt: Anwohner des neuen Flughafen werden nur fünf Stunden Ruhe bekommen.(Foto: dapd)

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, nannte das Urteil "wegweisend". "In der Luftfahrt dürfen am späten Abend nicht alle Lichter ausgehen, wenn die Wirtschaftskraft und die Arbeitsplätze dieser Branche auch in Zukunft gesichert werden sollen." Auch der Flughafen-Verband ADV betonte die wirtschaftliche Bedeutung der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Jede Million zusätzlicher Flugpassagiere schaffe bis zu 1.000 Arbeitsplätze, sagte ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel. Für die Region Berlin-Brandenburg sei das von unschätzbarem Wert. 

Urteil zu Frankfurt steht an

Der neue Airport wird auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Flughafens Schönefeld hochgezogen und dürfte rund 2,5 Milliarden Euro kosten. Anfangs sollen dort jährlich 27 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Europas drittgrößter Flughafen Frankfurt kam 2010 auf doppelt so viele Fluggäste.

Fluggesellschaften und Lärmgegner in der ganze Republik hatten voller Spannung auf die Entscheidung des Gerichts gewartet: Voraussichtlich nächstes Jahr entscheiden die Leipziger Juristen auch endgültig über das Nachtflugverbot am größten deutschen Flughafen Frankfurt. Ein Gericht in Hessen hatte vor wenigen Tagen überraschend geurteilt, dass bereits ab Ende des Monats nachts keine Maschinen mehr in Frankfurt starten und landen dürfen. Den Flughafen und die Fluggesellschaften stellt das Urteil vor große Probleme. Insbesondere Fracht-Airlines haben in der Vergangenheit immer wieder die wirtschaftliche Bedeutung der nächtlichen Verbindung in alle Welt für die exportorientierte deutsche Industrie betont. Besonders betroffen ist Lufthansa Cargo, bei der das Nachtflugverbot zu einem wirtschaftlichen Schaden in Millionen-Höhe führen könnte.

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Quelle: n-tv.de

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