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"Dschungel" soll verschwinden: Gericht erlaubt Räumung in Calais

Tausende Flüchtlinge leben unter erbärmlichen Bedingungen im nordfranzösischen Calais, weil sie nicht nach Großbritannien dürfen. Ein Gericht erlaubt den Behörden jetzt teilweise die Räumung des Lagers. Hilfsorganisation warnen vor den Folgen.

In solchen Container-Städten wollen die Behörden die Flüchtlinge unterbringen.
In solchen Container-Städten wollen die Behörden die Flüchtlinge unterbringen.(Foto: REUTERS)

Die französischen Behörden dürfen einen Teil des als "Dschungel" bekannten Flüchtlingslagers von Calais räumen. Das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille habe die Pläne gebilligt, teilte die zuständige Präfektur des Departements Pas-de-Calais mit. Sie will keine Polizisten einsetzen, vielmehr sollen die Flüchtlinge "überzeugt" werden, freiwillig zu gehen. 

Die Behörden wollen den südlichen Teil des Baracken- und Zeltlagers räumen. Dort leben nach ihren Angaben bis zu 1000 Menschen in Slum-ähnlichen Bedingungen. Sie sollen stattdessen in einem Containerlager in Calais oder in Aufnahmezentren im ganzen Land untergebracht werden.

Belgien fürchtet massenweise Rückreise

Hilfsorganisationen nennen 3500 potenziell betroffene Flüchtlinge, also mehr als das dreifache der Behördenangabe. Die Organisationen hatten erfolglos versucht, die Räumung mit einer einstweiligen Verfügung zu verhindern. Sie warnen, dass nicht genug Platz für die Menschen sei und die Bevölkerung der kleineren Lager im Umfeld von Calais mangels Alternativen sehr stark anwachsen könnte. Zudem würden die Migranten ins Stadtzentrum von Calais zurückkehren.

In Calais sammeln sich seit Jahren Menschen, die nach Großbritannien wollen. Sie leben auf einem Brachland in der Nähe des Hafens. Vor allem im Sommer hatten viele von ihnen versucht, versteckt auf Lkw den Eurotunnel zu passieren. Immer wieder begeben sie sich in Lebensgefahr.

Aus Furcht vor einer massenhaften Rückreise der Flüchtlinge hatte Belgien am Mittwoch seine Grenzkontrollen zu Frankreich verschärft. Vor allem in Küstennähe sollen an den Grenzübergängen bis zu 290 Polizisten zusätzlich eingesetzt werden. Im Januar hatte die belgische Polizei in diesem Bereich 950 Migranten aufgegriffen, die eigentlich nach Großbritannien wollten. Die meisten stammten aus dem Irak und dem Iran.

Quelle: n-tv.de

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