Politik
In Kuala Lumpur protestieren Flüchtlinge der Rohingya gegen die anhaltende Gewalt.
In Kuala Lumpur protestieren Flüchtlinge der Rohingya gegen die anhaltende Gewalt.(Foto: dpa)

Buddhisten gegen Muslime: Gewalt erschüttert Birma

Seit Berichten über die Vergewaltigung und Ermordung einer buddhistischen Frau wird der Westen Birmas von brutalen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Buddhisten erschüttert. Dutzende Menschen kommen dabei ums Leben. Hunderte Flüchtlinge geraten zwischen die Fronten. Hilfsorgansiationen stellen ihre Arbeit ein.

In Birma bahnt sich wegen der Kämpfe zwischen Buddhisten und Muslimen eine Flüchtlingskatastrophe an. Das Nachbarland Bangladesch verwehrte etwa 300 muslimischen Bootsflüchtlingen aus Birma, darunter zahlreiche Kinder, die Einreise, wie Grenzbeamte bestätigten. Weitere 150 Rohingya-Muslime trieben nach Berichten von Augenzeugen auf Holzbooten nahe der Grenze und hofften weiterhin auf Asyl.

Muslime in Yangon zeigen Bilder getöteter Menschen.
Muslime in Yangon zeigen Bilder getöteter Menschen.(Foto: dpa)

Die Gewalt im Westen Birmas hielt unterdessen an, erneut kamen Dutzende Menschen ums Leben. Die Krise gilt als erste Bewährungsprobe für Birmas neue Regierung seit der Öffnung hin zu mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Bangladesch verwehrte schon früher hunderten muslimischen Flüchtlingen die Einreise. Die Zahl der in Bangladesch lebenden muslimischen Rohingya aus Birma schätzen die Behörden auf 300.000. Die bangladeschische Polizei gab unterdessen bekannt, dass ein am Freitag von birmanischen Sicherheitskräften angeschossener Rohingya in einem Krankenhaus in Bangladesch gestorben sei.

"Sittwe gleicht einem Kriegsschauplatz"

Auslöser der Unruhen im Westen Birmas waren Berichte über die Vergewaltigung und Ermordung einer Buddhistin durch eine Gruppe von Muslimen. Dies führte zu zahlreichen Übergriffen auf die muslimische Minderheit in der Region Rakhine. So wurden etwa bei dem Überfall auf einen Bus zehn Muslime durch einen Mob wütender Buddhisten gelyncht. Die Behörden verhängten daraufhin den Ausnahmezustand über Rakhin mit der Hauptstadt Sittwe. Dennoch scheint sich die Lage kaum zu beruhigen.

In der Regionalhauptstadt Sittwe kam es den fünften Tag in Folge zu Übergriffen und Brandstiftungen, über den Dächern hing dunkler Rauch. "Sittwe gleicht einem Kriegsschauplatz", sagte der muslimische Abgeordnete Shwe Maung am Telefon. Bei Ausschreitungen im nahegelegenen Dorf Narzi seien in den vergangenen Tagen etwa 50 Menschen getötet worden.

Nach dem UN-Flüchtlingshilfswerk kündigte derweil auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen an, ihre Mitarbeiter aus dem Gebiet abzuziehen. Die Hilfsorganisation beklagte, dass mit Aussetzen ihrer Arbeit die lebenserhaltende medizinische Grundversorgung nicht mehr gewährleistet sei. Sie äußerte sich zugleich besorgt über die Sicherheit ihrer Patienten und ihres Personals. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch forderte Birmas Führung auf, Diplomaten und ausländischen Journalisten Zugang zu der Region zu gewähren.

Minderheit ohne Rechte

Die Europäische Union und die USA hatten sich am Montag besorgt über die religiös motivierte Gewalt in Birma geäußert und die Führung von Präsident Thein Sein aufgefordert, zur Versöhnung zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen beizutragen. Angesichts der demokratischen Reformen in Birma hatten die EU und die USA erst kürzlich ihre Sanktionen gegen das jahrzehntelang weitgehend isolierte Land gelockert.

In Birma besteht die Bevölkerung zu 89 Prozent aus Buddhisten, es gibt aber eine starke muslimische Minderheit. Zu ihnen gehören auch die Rohingya, von denen die meisten in Rakhine leben. Die buddhistisch dominierte Regierung von Birma betrachtet die etwa 800.000 Rohingya-Muslime als illegale Einwanderer aus Bangladesch, sie besitzen deshalb auch nicht die birmanische Staatsangehörigkeit und sind in ihren Rechten stark eingeschränkt. Die UNO sieht die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

Quelle: n-tv.de

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