Politik

Er jagte die Plagiat-Doktoren: "Goalgetter" outet sich

von Thomas E. Schmitt

Jetzt ist es raus: Der Gründer von VroniPlag gibt sich zu erkennen. Der echte Name des "Goalgetters": Martin Heidingsfelder, SPD-Mitglied. Jemand war ihm auf die Schliche gekommen, zwang ihn indirekt, seinen echten Namen preiszugeben. Der Doktor-Jäger ist damit enttarnt. Doch wer ist dieser Mann?

Heidingsfelder auf seiner Homepage. (Screenshot)
Heidingsfelder auf seiner Homepage. (Screenshot)

Der Erfinder der Internet-Plattform "VroniPlag" lehrte Schummel-Doktoren in den letzten Monaten das große Fürchten. Mehreren Spitzenpolitikern wiesen die anonymen Plagiatsjäger Tricksereien nach – und brachten sie ins Stolpern. Der Gründer der Seite nannte sich "Goalgetter" Jetzt ist klar, wer der "Torjäger" ist. Hinter dem Internet-Pseudonym verbirgt sich ein Mann namens Martin Heidingsfelder. Der 45-Jährige offenbarte sich im "Spiegel", nachdem ihm eine Boulevardzeitung offenbar auf die Schliche gekommen war. Er habe Angst gehabt, dass er von dem Blatt geoutet würde, so Heidingsfelder. Da habe er entschieden, das selbst in die Hand zu nehmen.

Heidingsfelder, der selbst keinen Doktortitel hat, ist selbständiger Programmierer, arbeitet in Erlangen. Er hat seit 2002 ein kleines Marktforschungsunternehmen – "Research Network Succedeo". Seine Hobbys: Golf, Laufen, Politik.

Politik? Heidingsfelder ist Mitglied der SPD. Er war beteiligt an einer Kampagne gegen Kanzlerin Merkel. "Angela? Nein, danke", hieß die. Buttons mit dem Spruch verteilte er an Parteimitglieder. Es gibt ein Bild, auf dem er mit Andrea Nahles um die Wette strahlt. Vorwürfe, er handele aus parteipolitischem Interesse, weist Heidingsfelder jedoch von sich: "Das ist Unsinn. Ich bin nur einer von vielen, und die Plattform ist sicherlich keine Gliederung der SPD. Darüber hinaus bin ich kein Politiker, sondern lediglich einfaches Parteimitglied."

Heidingsfelder verweist darauf, dass auch die Arbeit eines SPD-Politikers durchforstet wurde: Uwe Brinkmann, Mitarbeiter des Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs, gab nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe seine Promotionsurkunde freiwillig zurück.

Von den Kollegen degradiert

Heidingsfelder ist vor einigen Tagen von den Aktiven auf "VroniPlag" als Administrator abgewählt worden - er hat damit keinen unbeschränkten Zugriff auf die Seite mehr. Sie hatten ihm vorgeworfen, sich der Mehrheit zu widersetzen und die "Integrität des Projektes" zu gefährden. Einige äußerten den Verdacht, er missbrauche die Seite, um für Software Werbung zu machen. Heidingsfelder dazu: "Einige Vorwürfe waren unsachlich, einige falsch, für andere Dinge habe ich mich schon länger entschuldigt oder freiwillig Buße geleistet." Er sei aber nicht frei von Eitelkeiten, so der 45-Jährige.

Chatzimarkakis dürfte sauer sein auf den "Goalgetter".
Chatzimarkakis dürfte sauer sein auf den "Goalgetter".(Foto: dapd)

Der FDP-Europa-Abgeordnete Georgios Chatzimarkakis, dem nach den Recherchen in "VroniPlag" der Doktortitel aberkannt wurde, warf Heidingsfelder ebenfalls kommerzielle und parteipolitische Interessen vor. Auch Europa-Politikerin und FDP-Vorzeigefrau Silvana Koch-Mehrin verlor aufgrund der Untersuchungen von "VroniPlag" ihren Doktortitel. Zuvor hatte Heidingsfelder auch am "GuttenPlag"-Wiki mitgearbeitet, dessen Recherchen dazu führten, dass Verteidigungsminister und Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach langem Hin und Her seine Ämter aufgab.

Die Frage des "Spiegel", ob er sich vor der Rache Chatzimarkakis' oder Koch-Mehrins fürchte, beantwortet Heidingsfelder mit einer Einladung. "Chatzimarkakis darf gerne mal bei mir anrufen und mit mir diskutieren. Er weiß ja jetzt, wie er mich finden kann."

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Quelle: n-tv.de

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