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Peinlich: Bis zuletzt hatte Chatzimarkakis betont, er habe alle Quellen genannt.
Peinlich: Bis zuletzt hatte Chatzimarkakis betont, er habe alle Quellen genannt.(Foto: dapd)

Mehr als die Hälfte aus fremden Federn: Chatzimarkakis verliert Doktor

Und noch ein Plagiator: Die Universität Bonn entzieht dem FDP-Politiker Chatzimarkakis den Doktortitel. Der Europaabgeordnete habe zahlreiche Zitate nicht gekennzeichnet, über die Hälfte des Textes sei übernommen worden. Chatzimarkakis hatte selbst um Prüfung gebeten, nachdem Plagiatsjäger im Internet entsprechende Hinweise vorgelegt hatten.

Der FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis verliert seinen Doktortitel. Der Fakultätsrat habe einstimmig beschlossen, ihm die Doktorwürde abzuerkennen, sagte der Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn, Prof. Dr. Günther Schulz. In der Dissertation habe es zahlreiche Fälle gegeben, in denen sich aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen gefunden hätten, die nicht als wörtliche Übernahme gekennzeichnet gewesen seien.

Chatzimarkakis habe Texte anderer Autoren eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Die Kommission stellte fest, dass mehr als die Hälfte des Textes aus fremden Federn stammt. Das genüge nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, sagte Schulz. "Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck, dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden." Schulz betonte: "Wir werden verstärkte Anstrengungen unternehmen, um solche Machenschaften künftig zu verhindern. Einen absoluten Schutz gibt es leider nicht."

Schulz schlug vor, die Promotionsordnung weiter zu verschärfen. "Auf Grundlage der aktuellen Erfahrungen werden wir zusätzliche Vorkehrungen treffen. Künftig verpflichten wir alle Promovenden dazu, ihre Arbeit auch in elektronischer Form einzureichen." Das werde die Kontrolle auf Plagiate erheblich erleichtern.

Den Doktor wiederholen

Chatzimarkakis will die Dissertation nun noch einmal schreiben.
Chatzimarkakis will die Dissertation nun noch einmal schreiben.(Foto: dpa)

Chatzimarkakis hatte selbst die Philosophische Fakultät Anfang Mai um Prüfung seiner Doktorarbeit gebeten, nachdem im Internetforum "VroniPlag" Plagiatsvorwürfe gegen ihn aufgetaucht waren. Der FDP-Politiker hatte seine politikwissenschaftliche Arbeit im Jahr 2000 vorgelegt. Die Dissertation trägt den Titel "Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs".

In einer ersten Erklärung von Chatzimarkakis hieß es, die Entscheidung sei sehr bitter für ihn. Mit Erleichterung nehme er zur Kenntnis, dass die Universität Bonn keine Täuschungsabsicht sehe. Er habe die Arbeit im Jahr 2000 online veröffentlicht, weil er überzeugt gewesen sei, dass sie gemäß der Promotionsordnung gewesen sei. Mit der Arbeit habe er sein Universitätsstudium krönen wollen. An dem Wunsch habe sich nichts geändert. "Ich bin bereit, eine erneute Doktorarbeit in Angriff zu nehmen."

Mathiopoulos wird geprüft

Wegen Plagiaten in ihren Dissertationen waren zuletzt dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin ihre Doktortitel entzogen worden. Die Universität Bonn beschloss nun auch, die Doktorarbeit der Politikprofessorin und FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos erneut zu überprüfen. Die in den 1980er Jahren vorgelegte Arbeit war bereits Anfang der 1990er Jahre in die Kritik geraten. Eine stichprobenartige Überprüfung hatte damals nach Angaben der Universität zwar handwerkliche Mängel offenbart, aber keine Verfehlungen, die zur Aberkennung des Doktortitels geführt hätten.

Grund für die erneute Überprüfung sind der Uni Bonn zufolge ebenfalls Vorwürfe von  VroniPlag. Die Arbeit soll demnach zahlreiche wörtliche Übernahmen "ohne die wissenschaftlich gebotene Kennzeichnung fremden Gedankenguts" enthalten. Dadurch habe sich eine neue Sachlage ergeben, erklärte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz.

Mathiopoulos war 1987 bundesweit bekannt geworden, als der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt die zu der Zeit parteilose Politikwissenschaftlerin zur SPD-Sprecherin machen wollte. Nach heftiger innerparteilicher Kritik an der Nominierung von Mathiopoulos trat Brandt vom SPD-Vorsitz zurück.

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Quelle: n-tv.de

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