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US-Spione lesen E-Mails mit: Google reagiert empört auf NSA-Späherei

Der US-Geheimdienst NSA zapft auch Informationen von Google- und Yahoo-Nutzern an. Das neue Ausspäh-Werkzeug heißt "Muscular". Google ist empört und reagiert mit heftiger Kritik; ganz überrascht ist der Konzern jedoch nicht.

Die US-Spione sollen sich in Leitungen zwischen den Rechenzentren eingeklinkt haben.
Die US-Spione sollen sich in Leitungen zwischen den Rechenzentren eingeklinkt haben.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Internetkonzern Google hat mit scharfen Worten auf das mögliche Anzapfen seiner Datenleitungen durch den US-Geheimdienst NSA reagiert. "Wir sind aufgebracht darüber, wie weit die Regierung scheinbar gegangen ist, um Daten aus unseren privaten Glasfaser-Netzwerken abzugreifen", erklärte Chefjustiziar David Drummond. "Und das unterstreicht die dringende Notwendigkeit für eine Reform."

Zuvor hatte die "Washington Post" unter Berufung auf Dokumente aus dem Fundus von Edward Snwoden berichtet, dass die NSA sich in die Leitungen einklinke, die die Rechenzentren von Google untereinander verbinde. Dadurch könne die NSA die Daten Hunderter Millionen Nutzerkonten abgreifen. Auch Yahoo sei betroffen. NSA-Chef Keith Alexander erklärte, nur den gesetzlich vorgeschriebenen Weg beim Sammeln von Informationen zu gehen.

Laut Drummond ist Google allerdings schon länger besorgt, dass es zu derartigen Schnüffeleien durch die Hintertür kommen könne - weshalb immer mehr Verbindungen und Dienste verschlüsselt würden, insbesondere für die in diesem Fall aufgezeigten. Auf einem Dokument, das die Zeitung veröffentlichte und der NSA zuschrieb, waren Googles E-Mail-Dienst Gmail, die Online-Büroprogramme Docs und der Kartendienst Maps aufgeführt.

181 Millionen Datensätze binnen eines Monats

NSA-Chef Alexander versichert wie immer: Alle Aktionen sind gesetzlich erlaubt.
NSA-Chef Alexander versichert wie immer: Alle Aktionen sind gesetzlich erlaubt.(Foto: AP)

Nach Angaben der Zeitung steht in den NSA-Papieren vom 9. Januar dieses Jahres, dass die Behörde täglich Daten von internen Google- und Yahoo-Netzwerken in Datenzentren beim NSA-Hauptquartier schickt. In den vorangehenden 30 Tagen seien damals 181.280.466 neue Aufzeichnungen registriert worden. Dabei habe es sich um Absender- und Empfängerdaten bis hin zu Inhalten wie Text, Tonaufnahmen und Videos gehandelt.

Die NSA betreibt den Angaben zufolge gemeinsam mit dem britischen Dienst GCHQ ein "ungewöhnlich aggressives" Spähwerkzeug mit dem Namen "Muscular", das die Daten erschließe. Kurz nachdem die neuen Erkenntnisse bekannt wurden, verteidigte sich NSA-Chef Alexander: "Wir haben keinen Zugang zu Google-Servern, Yahoo-Servern und so weiter." Eine Kontrolle ohne Verdacht soll es nicht geben. Die NSA besorge sich einen Gerichtsbeschluss. "Es sind auch nicht Millionen, es geht um Tausende. Und fast alle richten sich gegen Terrorismus und andere solche Dinge."

Merkel-Mitarbeiter in den USA

Dass sich längst nicht alle Überwachungsaktionen gegen Terroristen richten, dürfte aber längst bekannt sein. Auch die Kommunikation von Kanzlerin Angela Merkel und vieler weiterer Staatschefs soll von den USA ausspioniert worden sein. Vertreter des Kanzleramts reisten deshalb nach Washington, um sich über das Ausmaß zu informieren. Aus den Gesprächen drangen kaum Inhalte nach draußen.

Der Dialog in Geheimdienst-Fragen werde in den kommenden Tagen und Wochen fortgesetzt, teilte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice nach dem Treffen mit. Konkrete Zusagen über ein mögliches Anti-Spionage-Abkommen zwischen Berlin und Washington wurden zunächst nicht bekannt. Die Bundesregierung strebt offenbar ein deutsch-amerikanisches Abkommen an, wonach die US-Seite unter anderem darauf verzichten müsste, Regierung, Behörden und diplomatische Vertretungen auszuspähen.

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Quelle: n-tv.de

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