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Stummer Protest in der Greifswalder Innenstadt.
Stummer Protest in der Greifswalder Innenstadt.(Foto: dpa)

Stolpersteine aus Pflaster gerissen: Greifswald setzt Belohnung aus

In Greifswald brechen vermutlich Rechtsextreme alle im Stadtgebiet verlegten sogenannten Stolpersteine aus dem Boden, mit denen an deportierte NS-Opfer erinnert wird. Die Polizei setzt eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen.

In Greifswald wurden alle im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen.
In Greifswald wurden alle im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen.(Foto: dpa)

Am Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 haben unbekannte Täter in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern "Stolpersteine" aus dem Pflaster gerissen, die an die in der NS-Zeit ermordeten Juden erinnern sollen. In der Altstadt seien in der Nacht zum Freitag elf Steine entwendet worden, sagte ein Polizeisprecher in Anklam. Die Stolpersteine waren nach Angaben der Stadt im Jahr 2008 verlegt worden.

Nach Angaben der Polizei hat nun der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen und geht nach derzeitigen Erkenntnissen von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Die Polizei setzte eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise auf die Täter aus.

Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König erklärte, er werde alle rechtlichen Schritte einleiten, um die Aufklärung der Taten zu unterstützen. "Menschen, die bis heute nicht wahrhaben wollen, dass die jüdischen Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet wurden, werden nicht die Oberhand gewinnen", erklärte König.

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Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger betonte angesichts solch aktueller Vorfälle die andauernde Verantwortung, an das Schicksal der Juden zu erinnern. Überfälle auf die jüdische Bevölkerung blieben "nicht in dunklen Geschichtskapiteln, sie sind Schlagzeilen der Gegenwart".

Angestachelt durch die NS-Propaganda hatten Verbände von SA und SS am 9. November 1938 in Deutschland Synagogen in Brand gesetzt, Geschäfte geplündert und die Wohnungen von Juden demoliert. Infolge der Ausschreitungen kamen hunderte Menschen ums Leben.

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Quelle: n-tv.de

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