Politik
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Donnerstag, 10. März 2011

"Ich melde mich ab": Guttenberg kündigt Buch an

Mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet die Bundeswehr den Polit-Star und Ex-Minister Guttenberg. Parlamentspräsident Lammert und Bildungsministerin Schavan kommen nicht zu dem Zeremoniell. Guttenberg will sich nun der Reue und Buße widmen. Und ein Buch schreiben. Den naheliegenden Witz dazu macht er gleich selbst.

Der vor gut einer Woche zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist mit einem Großen Zapfenstreich im Berliner Bendlerblock von der Bundeswehr verabschiedet worden. An der Zeremonie nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der Vater und die Ehefrau des Ex-Ministers teil.

Vor dem eigentlichen Zapfenstreich spielte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr die Märsche "Großer Kurfürst" und "König Ludwig II." sowie den Schrammel-Klassiker "Smoke on the Water". Traditionell suchen sich die Geehrten die drei Stücke der sogenannten "Serenade" selbst aus.

Der neue und der alte Verteidigungsminister: Thomas de Maizière (l.) und Karl-Theodor zu Guttenberg.
Der neue und der alte Verteidigungsminister: Thomas de Maizière (l.) und Karl-Theodor zu Guttenberg.(Foto: Reuters)

Während Guttenberg ansonsten eher ernst und nachdenklich wirkte, lächelte er bei "Smoke on the Water" mehrfach. Das Stück ist normalerweise sehr Gitarren-lastig. Saiteninstrumente waren auf dem Paradeplatz allerdings nicht vertreten.

Der Große Zapfenstreich ist die höchste Form militärischer Ehrerweisung durch die Bundeswehr. Die Anfänge dieser Tradition gehen zurück ins 16. Jahrhundert, das Zeremoniell entstand während der Befreiungskriege Anfang des 19. Jahrhunderts. Heute werden alle Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Verteidigungsminister nach ihrer Amtszeit mit einem Großen Zapfenstreich gewürdigt.

Guttenberg will offenbar Buch schreiben

Kurz vor der Zeremonie sprach Guttenberg von einem schmerzlichen Abschied. Er wolle die nächste Zeit auch für Reue und Buße nutzen. Zugleich kündigte er an, er werde "das eine oder andere in der Erinnerung" aufschreiben. "Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde", witzelte er mit Blick auf die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit.

Das Wachbataillon marschiert auf.
Das Wachbataillon marschiert auf.(Foto: dpa)

Besonders freue er sich darauf, Zeit mit seiner Familie zu verbringen, sagte der 39-Jährige. An seinen Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) gerichtet sagte er: "Ich weiß die Bundeswehr in guten Händen." Er schloss seine Rede mit den Worten: "Gottes Segen der Bundeswehr. Ich melde mich ab."

De Maizière zollte ihm Respekt, verschwieg aber auch die Umstände des Abgangs nicht: "Was Sie in Ihrer Amtszeit geleistet haben, das wird den letzten Eindruck überdauern." Er betonte: "Wir sollten alle nicht so tun, als seien wir ohne Fehl und Tadel."

Schavan und Lammert nicht dabei

Viele Spitzenpolitiker blieben der Zeremonie fern, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU). Beiden war vor allem aus der CSU vorgeworfen worden, nicht loyal genug zu Guttenberg gestanden zu haben. Zumindest Lammert war allerdings auch erst am späten Mittwochnachmittag per E-Mail vor der Protokollabteilung des Verteidigungsministeriums eingeladen worden.

Das Ministerium begründete diese Form der Einladung mit "technischen Problemen". In dem Schreiben wurden die Adressaten "für diese stillose Form" der Einladung um Entschuldigung gebeten.

Sie kamen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Politikergattin Stephanie zu Guttenberg.
Sie kamen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Politikergattin Stephanie zu Guttenberg.(Foto: Reuters)

Auch die Partei- und Fraktionschefs der Opposition blieben dem Zeremoniell fern. Sie waren ebenfalls erst am Mittwochabend per E-Mail eingeladen worden. Als häufigste Begründung für das Fernbleiben wurden lange geplante Wahlkampftermine genannt. Auch Schavan und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verwiesen auf solche Verpflichtungen. Lammert war nach Angaben eines Sprechers bei einer länger geplanten Veranstaltung mit Soldaten in Bonn.

Ermittlungen statt Politik

Guttenberg war am 1. März wegen der Affäre um seine Doktorarbeit, die zu großen Teilen eine Zusammenstellung fremder Texte ist, zurückgetreten. Auch sein Bundestagsmandat legt er nieder. Am 3. März übergab er die Amtsgeschäfte an den bisherigen Innenminister de Maizière. Nun will er sich um das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen der Plagiatsaffäre kümmern. Über Guttenbergs langfristige Pläne ist nichts bekannt.

Die Universität Bayreuth hat Guttenberg den Doktortitel aberkannt und prüft, ob er vorsätzlich getäuscht hat. Der Nachfolger seines Doktorvaters nannte den Politiker bereits einen "Betrüger". Guttenberg selbst hat bestritten, bewusst abgeschrieben zu haben.

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Quelle: n-tv.de

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