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Ein Verwandter der Familie Deif präsentiert der Öffentlichkeit die Leiche des getöteten Kindes.
Ein Verwandter der Familie Deif präsentiert der Öffentlichkeit die Leiche des getöteten Kindes.(Foto: REUTERS)

Israel tötet Familie von Hamas-Chef: Hamas droht mit bisher "schwersten Tagen"

Israel macht seine Drohungen wahr und versucht, den wichtigsten Drahtzieher der Hamas in Gaza gezielt zu töten. Dabei sterben Frau und Kind von Mohammed Deif. Die Hamas schwört bittere Rache.

Alle Hoffnungen auf ein Ende des Gaza-Kriegs haben sich vorerst zerschlagen. Mit dem Angriff auf den einflussreichen Militärchef der im Gazastreifen herrschenden Hamas, Mohammed Deif, habe Israel "das Tor zur Hölle aufgestoßen", warnte der militärische Hamas-Arm. Der jüdische Staat werde "einen hohen Preis" für den Angriff auf Deifs Versteck in der Stadt Gaza zahlen, bei dem die Ehefrau und der siebenmonatige Sohn Deifs ums Leben kamen.

Mohammed Deif gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher, er hat schon mehrere versuchte Tötungen durch Israel überlebt. Die israelische Armee nennt ihn die "Katze mit den neun Leben". Israel wirft ihm vor, er dirigiere den Gaza-Krieg aus dem Untergrund.

Mohammed Diab al Masri, so sein eigentlicher Name, wurde vermutlich 1965 im Gazastreifen in einer Flüchtlingssiedlung bei Chan Junis geboren. Seit mehr als 20 Jahren soll er in die härtesten Angriffe verwickelt sein, die Israel erleiden musste, ob Soldatenentführung, Selbstmordattentate, Raketenbeschuss oder Attacken über Angriffstunnel. Er gilt den Israelis als "Staatsfeind Nummer eins". Seinen Beinamen Deif ("der Gast") erhielt der einstige Biologiestudent, weil er im Untergrund ständig seinen Aufenthaltsort wechselt.

Hamas droht mit schweren Kämpfen

Blick in einen Schmugglertunnel in der Nähe von Rafah.
Blick in einen Schmugglertunnel in der Nähe von Rafah.(Foto: AP)

Nach dem Anschlag auf Deis Familie stehen die Zeichen nun auf ein Wiederaufflammen der Kämpfe. Hamas-Sprecher Fausi Barhum drohte den Israelis mit "den schwersten Tagen, die sie je erlebt haben". Nach dem Scheitern der Vermittlungsbemühungen in Kairo am Dienstag feuerten militante Palästinenser wieder Dutzende Raketen auf Israel, die israelische Luftwaffe bombardierte Ziele im Gazastreifen. Nach Angaben beider Seiten starben viel Menschen.

In Israel wird angesichts der fortwährenden Raketenangriffe aus dem Palästinensergebiet auch die Kritik an dem rechtsorientierten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu lauter. Viele seiner Minister fordern ein noch härteres Vorgehen im Gazastreifen, bis zum Sturz der Hamas. "Es ist jetzt eine breite Militäroffensive notwendig, um Hamas zu besiegen", sagte Innenminister Gideon Saar von der regierenden Likud-Partei. Es gibt aber auch Stimmen, die vor den Risiken einer solchen Aktion warnen.

Für die Menschen im Gazastreifen ist die Fortsetzung des Kriegs eine Katastrophe. Viele von ihnen leben unter armseligsten Bedingungen in den Trümmern, ein Wiederaufbau wird erst nach einer Beruhigung der Lage möglich sein.

Justizministerin billigt gezielte Tötungen

Doch auch für Israel sind die Kosten des Kriegs - militärisch, politisch, diplomatisch und wirtschaftlich - sehr hoch. Es sei bereits der längste Waffengang, den der jüdische Staat seit der Staatsgründung 1948 geführt habe, sagte ein Kommentator des israelischen Fernsehens. Und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Selbst die israelische Chefunterhändlerin Zipi Livni, die sich seit Jahren für eine Friedensregelung in der Region einsetzt, spricht sich gegen weitere Verhandlungen mit der Hamas aus. "Wir dürfen ihnen nicht den Eindruck vermitteln, dass Angriffe den Staat Israel zu Konzessionen bewegen", sagte sie der Nachrichtenseite "ynet". Sie billige im Kampf gegen die Hamas ausdrücklich auch gezielte Tötungen, sagte die Justizministerin. "Die Liquidierung eines jeden, der Terror ausübt, ist in meinen Augen nicht nur legitim, sondern sogar wünschenswert", sagte Livni.

Ein Kommentator der Zeitung "Haaretz" bewertete Israels Politik der gezielten Tötungen jedoch skeptisch. Letztlich könnte Israel die Hamas mit solchen Angriffen eher noch aufwerten und stärken. "Die Tötungen von Hamas-Kommandeuren und Militärexperten haben ... noch nie das grundlegende Gleichgewicht verändert", schrieb er und erinnerte dabei an viele im Lauf der Jahre getötete Hamas-Führer wie Ahmed Jassin und Ahmed Dschabari. Eine langfristige Waffenruhe sei letztlich nur im Rahmen einer umfassenden Friedensregelung mit den Palästinensern denkbar. "Ohne eine breitere Vereinbarung wird sich die Lage immer weiter verschlechtern."

Kairo rief die Konfliktparteien zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die ägyptischen Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und der Hamas beschreibt ein Kommentator der israelischen Zeitung "Jediot Achronot" jedoch sehr pessimistisch als "Versuch, eine Leiche wiederzubeleben". Beide Seiten hätten in Kairo gar nicht ernsthaft verhandelt, meint er. "Es ist doch viel bequemer für sie, wieder das zu tun, was sie am besten können, nämlich zu versuchen, sich in einem Zermürbungskrieg gegenseitig zu töten."

Quelle: n-tv.de

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