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Hamas-Kämpfer im Gazastreifen.
Hamas-Kämpfer im Gazastreifen.(Foto: AP)

Feuergefecht trotz Waffenruhe: Hamas wirft Israel Bruch vor

Eine Demonstration am Grenzzaun des Gazastreifens gefährdet die Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern. Die Hamas wirft israelischen Sicherheitskräften vor, einen protestierenden Palästinenser erschossen zu haben. Israel dementiert.

Nach Inkraffttreten der Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern ist bei Protesten am Grenzzaun des Gazastreifens zu Israel nach Angaben aus Gaza-Stadt ein Mensch erschossen worden. Weitere 25 Palästinenser seien durch israelisches Feuer verletzt worden, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Enklave am Mittelmeer, Aschraf al-Kedra, mit.

Das israelische Militär betonte, seit dem Vortag habe es Unruhen mit mehreren hundert Palästinensern an dem Zaun gegeben. Einige hätten Löcher in die Absperrung geschnitten und seien auf israelisches Gebiet vorgedrungen. Sie seien festgenommen worden. Die Soldaten hätten jedoch nur Warnschüsse in die Luft abgegeben. Die Hamas warf Israel eine Verletzung der Waffenruhe vor, die am Mittwochabend in Kraft getreten war.

Täter nach Bombenanschlag festgenommen

Israelische Sicherheitskräfte nahmen unterdessen die mutmaßlichen Täter, die hinter dem Bombenanschlag auf einen Stadtbus in Tel Aviv stecken, fest. Es handele sich um einen Palästinenser aus der israelischen Stadt Taibe, teilte die Sprecherin der Streitkräfte, Avital Leibovich, via Twitter mit. Der Mann sei Mitglied der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas.

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Die Zeitung "Jediot Achronot" berichtete, im Zusammenhang mit dem Anschlag seien im Westjordanland noch weitere Verdächtige festgenommen worden, die zur selben Hamas-Zelle wie der Haupttäter gehörten. Die Festnahmen seien schon am Mittwoch erfolgt, aber aus ermittlungstaktischen Gründen erst später mitgeteilt worden.

Bei dem Anschlag im Zentrum von Tel Aviv waren am Vortag mindestens 17 Menschen verletzt worden. Der Anschlag war nur Stunden vor dem Inkrafttreten einer Waffenruhe zur Beendigung achttägiger Kämpfe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen verübt worden. Die Palästinenser-Organisation hatte den Anschlag zwar begrüßt, sich aber nicht dazu bekannt.

Zusammenstöße und Sicherheitsvorkehrungen

Indessen schränkt Israel - aus Sicherheitsgründen, wie es heißt - den Zugang zum Tempelberg für Palästinenser am Freitag ein. Nur Männer über 40 Jahren, die über von den israelischen Behörden ausgestellte Ausweispapiere verfügten, dürften den Bereich in Ost-Jerusalem betreten; für Frauen sei der Zugang dagegen nicht beschränkt, erklärte die Polizei. Zudem würden zahlreiche Sicherheitskräfte an gefährdeten Orten in der Altstadt postiert. Auf dem Tempelberg erhebt sich neben dem Felsendom auch die Al-Aksa-Moschee, das drittwichtigste islamische Heiligtum nach Mekka und Medina.

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Vor einer Polizeiwache in Ost-Jerusalem kam es zudem zu Zusammenstößen zwischen hunderten palästinensischen Jugendlichen und der Polizei, nachdem eine Palästinenserin festgenommen worden war, die versucht haben soll, einen israelischen Grenzwächter zu erstechen.

In der Nähe von Hebron im Westjordanland zerstörten nach palästinensischen Angaben jüdische Siedler rund 400 Olivenbäume. Er habe die offenbar am Vortag ausgerissenen Pflanzen im Dorf Hawara vorgefunden, sagte ihr Eigentümer Dschamil Hoschijeh. Auf einem Schild habe geschrieben gestanden: "Gruß aus Tel Aviv" und "Gruß aus Beerscheba", offensichtlich in Anspielung auf die jüngsten Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf diese beiden Städte. Die israelische Armee bestätigte auf Anfrage, es seien bis zu 400 entwurzelte Olivenbäume entdeckt worden. Hierzu seien Ermittlungen eingeleitet worden.

Palästinenser drängen auf Ende der Blockade

Im Gazastreifen kehrte dagegen weitgehend der Alltag zurück. Die Hamas erklärte den 22. November zum Nationalfeiertag. "Wir haben dem zionistischen Feind eine Lektion erteilt", sagte der Chef der Hamas-Regierung, Ismail Hanija. Nun müsse Israel endlich die Grenzen öffnen, um den Palästinensern im Gazastreifen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Die von Ägypten vermittelte Übereinkunft sieht vor, dass beide Seiten ihre Angriffe beenden. Israel verpflichtet sich, Vorstöße sowie Angriffe aus der Luft, vom Boden und vom Meer aus zu unterlassen. Die militanten Palästinensergruppen müssen ihrerseits laut der Vereinbarung Angriffe mit Raketen und an der Grenze beenden. Die Grenzübergänge zum Gazastreifen sollten geöffnet und der Verkehr von Personen und Waren erleichtert werden, stand zudem in einem Papier, das vom ägyptischen Außenministerium in Kairo bei der Ankündigung der Waffenruhe verteilt worden war.

Allerdings war dazu von offizieller Seite in Israel keine Präzisierung zu erhalten. Das Dokument sei von Israel nicht unterzeichnet worden, berichteten israelische Medien. Zudem ließ das Dokument offen, welche Übergänge gemeint sind: Rafah nach Ägypten oder auch die Übergänge nach Israel. Offen waren die zum Teil auch schon vor und sogar während der Kämpfe. Kerem Schalom im Süden für Warenlieferungen in den Gazastreifen und der Erez-Kontrollpunkt im Norden für Diplomaten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Journalisten sowie wenige palästinensische Geschäftsleute und humanitäre Fälle. Ein Ende der Seeblockade sei nicht vorgesehen, berichteten Medien. Auch hier von offizieller Seite zunächst nur Schweigen.

Die arabischen Staaten drangen auf ein sofortiges Ende der Blockade. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, betonte in Kairo: "Es ist wichtig, dass nun auch der Artikel der Vereinbarung umgesetzt wird, in dem es um die Aufhebung der Gaza-Blockade geht." Der Moment sei auch günstig, um den Nahost-Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. In Israel gab es jedoch keine Anzeichen für eine solche Entwicklung.

Quelle: n-tv.de

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