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Bei einem Protest für den Erhalt von Jugendwerkstätten in Hannover.
Bei einem Protest für den Erhalt von Jugendwerkstätten in Hannover.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 15. September 2011

"Grund zur Sorge am Arbeitsmarkt": Harter Kern kaum vermittelbar

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird sich nicht wesentlich weiter nach unten bewegen können. Mit jedem weiteren Aufschwung ergattern die besser qualifizierten, jüngeren Arbeitslosen die Jobs. Der harte Kern der Langzeitarbeitslosen, rund 400.000 Menschen, benötigt zudem 80 Prozent aller BA-Mittel für Hilfsmaßnahmen. Das verringert die Schlagkraft der BA.

"Der Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit wird zunehmend schwieriger." Das sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt der "Süddeutschen Zeitung". In den Jobcentern blieben am Ende diejenigen zurück, die auch auf lange Sicht nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Nach seiner Rechnung benötigt der harte Kern, das sind etwa 400.000 der gegenwärtig rund zwei Millionen Arbeitslosen im Hartz-IV-System, 80 Prozent der Mittel. "Je verfestigter die Arbeitslosigkeit ist, umso mehr müssen wir für Qualifizierung, Training, Schuldner- oder Suchtberatung ausgeben."

Die goldenen Zeiten sind offenbar vorbei.
Die goldenen Zeiten sind offenbar vorbei.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Studie im, Auftrag der BA hatte ergeben, dass "ein weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit immer schwerer fällt, je weniger Arbeitslose verblieben sind." Mit jedem weiteren Aufschwung ergatterten die besser qualifizierten, jüngeren (Kurzzeit)-Arbeitslosen Jobs. "Der Anteil der älteren, schlechter qualifizierten und länger Arbeitslosen nimmt so immer weiter zu", schreiben die Autoren der Untersuchung.

Der BA-Manager sieht deshalb die Milliarden-Kürzungen bei Programmen für Arbeitslose, die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in den nächsten Jahren weiter fortsetzen will, mit Sorge: "Es gilt nicht der Automatismus, dass bei sinkenden Arbeitslosenzahlen weniger Geld für Arbeitsmarktpolitik benötigt wird."

Kasse leer bei der BA

Auch BA-Chef Frank-Jürgen Weise sieht den Aufschwung am Arbeitsmarkt in Gefahr. "Es gibt Grund zur Sorge. Der Abbau der Arbeitslosigkeit lässt in seiner Dynamik nach", sagte Weise der "WirtschaftsWoche Global". Dies liegt nach Weises Worten unter anderem auch an der inzwischen geringeren Schlagkraft der Bundesagentur: "In der vergangenen Krise hatte die BA eine Rücklage von 18 Milliarden Euro, die sie einsetzen konnte, zum Beispiel für Kurzarbeitergeld. Jetzt ist die Kasse leer."

Weise bezweifelt zudem, dass Wirtschaft und Beschäftigte bei einer neuen Krise so glimpflich davonkommen wie bei der vergangenen Rezession: "Wenn es erneut zu einem Einbruch der Wirtschaft kommt, werden einige Unternehmen nicht noch einmal eine solche Durststrecke durchstehen können."

Zuversicht schwindet

Noch vor knapp zwei Wochen hatte sich der BA-Chef bei der Vorlage der Arbeitsmarktzahlen für August deutlich zuversichtlicher gezeigt. Vor dem Hintergrund der Börsenturbulenzen und der Eintrübung des Geschäftsklimas hatte er gesagt: "Diese Stimmungen setzen sich ab von den tatsächlichen Gegebenheiten." Er sehe für den Arbeitsmarkt keineswegs schwarz. "Ich sehe im Moment keine Konjunkturdelle."

Die Zahl der Arbeitslosen betrug im August 2,945 Millionen. Das war der niedrigste August-Stand seit 20 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Erwerbslosigkeit um 238.000 zurück. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen hatte sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu halbiert: von 1,7 Millionen auf 886.000.

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Quelle: n-tv.de

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