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In Berlin sind die Mieten in Neuverträgen seit 2007 um 40 Prozent gestiegen.
In Berlin sind die Mieten in Neuverträgen seit 2007 um 40 Prozent gestiegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Pläne von Merkel und Steinbrück sorgen für Ärger: Hausbesitzer kritisieren Mietpreisbremse

Nach Peer Steinbrück sagt nun auch Kanzlerin Angela Merkel steigenden Mieten den Kampf an. Doch die Pläne für eine Mietpreisbremse bei Neuvermietungen stoßen nicht überall auf Zustimmung. Jetzt melden sich die Hauseigentümer zu Wort.

München gehört zu den teuersten Städten in Deutschland.
München gehört zu den teuersten Städten in Deutschland.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Eigentümerverband "Haus & Grund" hat die Pläne der großen Parteien kritisiert, auch bei Neuvermietungen eine Mietpreisbremse einzuführen. Der stellvertretende Generalsekretär Kai Warnecke sagte im Deutschlandradio Kultur, die Mieten seien 2012 in Deutschland real um 0,8 Prozent gesunken. Dass die Wohnkosten trotzdem gestiegen seien, gehe vor allem auf die Energiepreise zurück, die sich wegen der Energiewende so verteuert hätten. Hier müsse man eigentlich anpacken.

Nach Darstellung Warneckes stiegen die Mieten von 2011 auf 2012 selbst in Städten wie Berlin und Hamburg im Schnitt nur um 1,2 beziehungsweise 1,7 Prozent. Auch wenn es in diesen Städten einige Quartiere mit starken Preissprüngen gebe, würden gerade die privaten Vermieter "oft über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte die Mieten nicht erhöhen". So liege die Durchschnittsrendite für eine Mietwohnung in Deutschland bei 2,14 Prozent. "Dann kann man wohl nicht sagen, dass es hier darum geht, tatsächlich Reichtümer einzufahren."

CDU und SPD wollten die Themen Wohnungsmangel und Mietexplosion im Wahlkampf zur bevorstehenden Bundestagswahl aufgreifen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei einer Telefonrunde mit Parteimitgliedern vor wenigen Tagen ein umfangreiches Entlastungsprogramm angekündigt. Sie kündigte verschiedene Maßnahmen gegen steigende Mieten an. Entgegen der bisherigen Linie, über Anreize mehr Wohnraum zu schaffen, versprach sie eine "Mietpreisbremse" bei Neuvermietungen. Im Wahlprogramm werde stehen, "dass Vermieter bei Neuvermietung nur begrenzt die Miete erhöhen dürfen", sagte Merkel.

"Die Dynamik ist völlig unterschätzt worden"

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will im Fall eines Wahlsieges mit der Wohnungswirtschaft und Mieterverbänden ein Bündnis gegen steigende Wohnungsmieten ins Leben rufen. Gleichzeitig soll das bereits im Januar vorgestellte 17-Punkte-Programm "für eine solidarische Stadt und bezahlbares Wohnen" umgesetzt werden. Es beinhaltet unter anderem, dass Mieten bei bestehenden Verträgen um nicht mehr als 15 Prozent in vier Jahren angehoben werden dürfen. Die Maklerkosten soll zudem bezahlen, wer den Vermittler eingeschaltet hat.

In Ballungsräumen steigen die Wohnkosten seit Jahren. In Berlin sind die Mieten in Neuverträgen seit 2007 laut Institut der deutschen Wirtschaft um 40 Prozent gestiegen. Das arbeitgebernahe Institut sieht darin kein Alarmzeichen. Es vertraut auf die Gesetze des Marktes: "Steigende Mieten signalisieren Knappheiten. Investoren nehmen entsprechende Signale wahr und lassen neue Wohnungen bauen. Die Lage entspannt sich dadurch also wieder." In Deutschland fehlen nach Einschätzung des Deutschen Mieterbundes (DMB) 250.000 Wohnungen. Mieter wenden im Schnitt 34,1 Prozent ihrer Konsumausgaben für Miete, Nebenkosten und Energie auf. In einkommensschwachen Haushalten mit bis zu 1300 Euro seien es bis zu 50 Prozent.

Bei knappem Angebot und steigender Nachfrage steigt der Preis. Milliardenschwere Förderinstrumente wie die Eigenheimzulage und die degressive Abschreibung wurden abgeschafft im Glauben, die Bevölkerung schrumpfe und es würden weniger Wohnungen benötigt. Unterschätzt wurden dabei die Anziehungskraft der Städte und die Änderung der Haushaltsstrukturen: Immer mehr Menschen leben allein. "Die Dynamik ist völlig unterschätzt worden", sagte Axel Gedaschko, einst Wirtschaftssenator in Hamburg und nun Präsident des GdW-Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, zu Reuters. "Wir wurden mit falschen Zahlen gefüttert."

Quelle: n-tv.de

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