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Strümpfe in Sandalen: #ThisIsACoup: Heftige Kritik an Deutschland bei Twitter

In der Nacht zum Montag ist das Schlagwort #ThisIsACoup das zweithäufigste bei Twitter weltweit. Nutzer werfen Deutschland damit vor, einen Staatsstreich in Griechenland einzuleiten.

Angesichts der kompromisslosen Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble bei den Griechenland-Verhandlungen in Brüssel regt sich Unmut bei Twitter. In der Nacht zum Montag war der Hashtag #ThisIsACoup (zu Deutsch: Das ist ein Staatsstreich) weltweit das zweithäufigste Schlagwort in dem 140-Zeichen-Netzwerk.

In Deutschland, Griechenland und anderen europäischen Ländern hielt sich #ThisIsTheCoup bis zum Montagmorgen auf Platz eins. In zahllosen Tweets warfen Nutzer der Bundesregierung vor, die im Januar gewählte Linksregierung stürzen zu wollen. Dies sei "der erste offene Versuch, einen souveränen Staat [die] durch globale Finanzindustrie zu übernehmen", twitterte ein Marburger. Der Sprecher der Grünen Jugend, Erik Marquardt, schrieb: "Am deutschen Wesen könnte Europa mal wieder verwesen."

Eine Weltkarte zeigt, wo überall der Hashtag verwendet wurde:

 

Aber natürlich gab es auch Witze über die harte Haltung von Merkel und Schäuble. Die letzte Forderung der deutschen Seite sei, "Griechen müssen jetzt Strümpfe zu den Sandalen tragen", twitterte ein Münchner Rechtsanwalt. Ebenso unvermeidlich waren die Nazi-Vergleiche. Ein in Spanien lebender deutscher Journalist schrieb unter Anspielung auf die Vernichtung der baskischen Stadt Gernika 1937 durch die deutsche Luftwaffe, Deutschland sei "immer großzügig gegenüber Südeuropa". Am geschmacklosesten ist vermutlich die rechte Zeitung "Dimokratia", die Merkel und Schäuble schon in SS-Uniformen abgebildet hat. Sie titelt: "Griechenland in Auschwitz".

"Eine der brutalsten Demarchen der Geschichte"

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Verstärkt wurde das Schlagwort vom US-Ökonom Paul Krugman, der in seinem Blog auf der Seite der "New York Times" schrieb, die Aussage des Hashtags ThisIsACoup sei "genau richtig". In den vergangenen Monaten sei klar geworden, was es bedeute, Mitglied der Eurozone zu sein, so Krugman: Die Gläubiger "können deine Wirtschaft zerstören, wenn du aus der Reihe tanzt". Der linksliberale Wirtschaftsnobelpreisträger fragt sogar, ob Deutschland eine Erholung der griechischen Wirtschaft verhindern werde.

Aus deutscher Sicht mögen Krugmans Ansichten radikal klingen, nicht in den USA: Auch das wirtschaftsliberale "Wall Street Journal" führt aus, Deutschland habe die "volle Kapitulation" von Griechenland als Preis für ein neues Kreditprogramm verlangt. Die Erklärung der Euro-Finanzminister zu Griechenland vom Sonntag werde "als eines der brutalsten diplomatischen Demarchen in die Geschichte der Europäische Union eingehen" – eine Union, die geschaffen worden sei, um für Frieden und Einigkeit zu sorgen, "und die nun öffentlich eines ihrer Mitglied mit dem Ruin bedroht, wenn es sich nicht ergibt".

Bei Twitter wiesen mehrere Nutzer darauf hin, dass die Bundesregierung ihren Ruf im Ausland mit ihrem Verhalten nachhaltig ruiniert haben könnte. "So viele Goethe-Institute kann man gar nicht bauen, um den Schaden dieses Wochenendes wieder zu beheben", meinte ein Nutzer aus Hamburg. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe twitterte, ebenfalls unter dem Hashtag #ThisIsACoup, der Grexit scheine erst einmal abgewendet zu sein. "Das ist gut. Welche Rolle #Schäuble gespielt hat, wird noch zu bereden sein."

Das Schlagwort wurde auch für weniger radikale Kritik an der Bundesregierung genutzt. "Das muss man auch erstmal hinkriegen: 80 Milliarden Euro Hilfe für #Griechenland - und als Zerstörer Europas dastehen", so der "Stern"-Journalist Jens König. Laut Reuters wurde der Hashtag zuerst von dem spanischen Mathe- und Physik-Lehrer Sandro Maccarrone, der am Sonntagabend twitterte, der Vorschlag der Eurogruppe sei ein verdeckter Staatsstreich gegen das griechische Volk.

Allerdings gibt es auch eine Gegenbewegung auf Twitter - den Hashtag #ThisIsNOTACoup. Unter diesem Schlagwort schrieb ein offenbar griechischer Nutzer: "Das passiert, wenn man mit einem Bären tanzt." Auch Kritiker der deutschen Verhandlungsführung verbreiteten das Gegen-Schlagwort. Das deutsche Vorgehen sei "schrecklich unsensibel, taub, selbstzerstörerisch und grundlegend anti-europäisch" gewesen, aber eben kein Staatsstreich, befand Sony Kapoor, Direktor des Think-Tank "Re-Define".

Quelle: n-tv.de

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