Politik

Albtraum AltenheimHeimbewohner schlecht ernährt

08.10.2009, 13:54 Uhr

Die erstmals vergebenen Pflegenoten offenbaren in zahlreichen deutschen Pflegeheimen teils schlechte Zustände. Besonders in den Bereichen Pflege und Umgang mit Demenzkranken schneiden viele Einrichtungen schlecht ab.

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Rund 1,86 Millionen Pflegebedürftige über 65 Jahre gibt es in Deutschland. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Seit Juli werden Pflegeeinrichtungen nach neuen Vorgaben geprüft. Damit soll mehr Transparenz zur Qualität der Heime geschaffen werden, teilten der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach der Prüfung der ersten 1057 Pflegeheime mit.

Mehr als 700 der bis Mitte September geprüften 1057 Einrichtungen bescheinigten die MDK-Prüfer insgesamt "sehr gute" oder "gute" Noten. Die Gesamtnote "befriedigend" erhielten 256 Heime. 73 Häuser bekamen dagegen in der Gesamtnote nur ein "ausreichend", und zwölf waren sogar nur "mangelhaft".

Pflegenoten wurden dringend gebraucht

"Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reihe von Einrichtungen zum Teil deutliche Qualitätsdefizite hat und in die Verbesserung seiner Qualität investieren muss", erklärte Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). Dieter Voß, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, sieht "eine hinreichende Qualität" bei den Pflegeheimen. Dass bereits in den ersten Wochen die mangelhafte Qualität in zwölf Pflegeheimen aufgedeckt werden konnte, bestätige, "dass es gut und richtig war, mit den Pflegenoten konsequent auf Transparenz zu setzen", erklärte er.

Ein deutlich differenzierteres Bild als die Gesamtnote liefern die Bewertungen von vier Einzelbereichen, aus denen sich das Gesamturteil zusammensetzt. Im Kernbereich "Medizin und Pflege" erzielten danach zwar mehr als die Hälfte der Pflegeheime eine gute Qualität. Fast ein Fünftel erhielt aber schlechte Noten: 124 der bislang über tausend geprüften Einrichtungen waren in punkto Pflege nur "ausreichend" und 41 sogar nur "mangelhaft".

Auch im Teilbereich "Umgang mit demenzkranken Bewohnern" erhielten 192 Heime nur die Noten "ausreichend" oder "mangelhaft". Im Bereich "Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung" schnitten 105 Heime schlecht ab.

Alle Heime sollen benotet werden

"Mit diesen Zahlen sind die Behauptungen von Kritikern widerlegt, dass es keine schlechten Bewertungen von Pflegeeinrichtungen geben wird", erklärte Pick. Nach Angaben von GKV-Vorstand Voß sollen die ersten Erfahrungen mit dem neuen Pflege-TÜV ausgewertet und wo notwendig die Transparenzkriterien nachgebessert werden. Künftig sollen alle rund 11.000 Pflegeheime und 11.500 ambulanten Pflegedienste in Deutschland nach dem neuen System benotet werden.

Kritiker beklagen, dass die tatsächliche Qualität der Heime durch das Benotungssystem verschleiert wird. Aus ihrer Sicht können dadurch gravierende Mängel zum Beispiel in der Ernährung und der medizinischen Versorgung durch gute Noten in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Als wenig aussagekräftig hat sich beim neuen Pflege-TÜV indes die Bewohnerbefragung erwiesen, die allerdings nicht in die Gesamtnote einfließt. Die meisten Heimbewohner beurteilten ihre eigene Einrichtung laut MDK mit guten oder sehr guten Noten. Damit sei dies kaum ein Entscheidungshilfe.

Quelle: AFP