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Im Juni 2004 wurden 22 Menschen bei dem Anschlag verletzt.
Im Juni 2004 wurden 22 Menschen bei dem Anschlag verletzt.(Foto: dpa)

Nagelbombenanschlag in Köln: Hinweise auf NSU ignoriert

Experten von Landes- und Bundeskriminalamt sollen nach dem Nagelbombenanschlag in Köln auf rechtsextreme Motive hingewiesen haben. Laut einem Medienbericht wurde dies von den Sicherheitsbehörden aber ignoriert. Die Polizei weist die Anschuldigungen zurück.

Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden haben beim Nagelbombenanschlag in Köln konkrete Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund ignoriert. Das berichtet der WDR unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen der Ermittlungsbehörden.

Der Ex-Innenminister von NRW, Behrens, sagte am Donnerstag vor dem U-Ausschuss des Bundestages aus.
Der Ex-Innenminister von NRW, Behrens, sagte am Donnerstag vor dem U-Ausschuss des Bundestages aus.(Foto: dapd)

Demnach hatten Experten von Landes- und Bundeskriminalamt - sogenannte Profiler - schon kurz nach dem Anschlag im Juni 2004 mit 22 Verletzten auf ein ausländerfeindliches Motiv hingewiesen. Sachverständige des Bundesverfassungsschutzes hätten zudem Parallelen zu einem Sprengstoffanschlag in London aufgezeigt, der von Rechtsextremisten verübt worden war.

Kölner Polizei und NRW-Innenministerium entschieden aber laut WDR, "diese Spuren nicht mit Nachdruck zu verfolgen und Erkenntnisse über einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Öffentlichkeit systematisch zu verschweigen". Das Innenministerium habe das Landeskriminalamt bereits wenige Stunden nach der blutigen Tat angewiesen, den Fall nicht weiter als "terroristischen Anschlag" einzustufen. Die Ermittler gingen stattdessen von organisierter Kriminalität aus. Die Polizei widersprach den Vorwürfen.

Für "fatale Fehleinschätzungen" entschuldigt

Für den Anschlag vor einem türkischen Frisörsalon in der Kölner Keupstraße wird das NSU-Terrortrio verantwortlich gemacht, dem auch zehn Morde zugeschrieben werden. Eine Sprecherin der Polizei betonte: "Wir sind natürlich damals sämtlichen Spuren nachgegangen, auch rechtsterroristischen Spuren." Die Ermittlungsansätze seien hier aber nicht ausreichend gewesen, um zum Erfolg zu führen. Die Polizei habe mit "großer Intensität und Ernsthaftigkeit" ermittelt.

Der frühere NRW-Innenminister Fritz Behrens von der SPD hatte sich am Donnerstag im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages , aber keine konkreten persönliche Versäumnisse eingeräumt. Der Unions-Obmanns im Ausschuss, Clemens Binninger, kritisierte, dass weder Behrens noch der damalige Ministerpräsident Peer Steinbrück - heutiger SPD-Kanzlerkandidat - sich zu dem Anschlag öffentlich geäußert hätten.

Quelle: n-tv.de

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