Politik

Deutschland und Italien im Krieg: Historiker fordern Gedenkstätte

Deutsche und italienische Historiker arbeiten die Geschichte ihrer Länder im Zweiten Weltkrieg auf. Von Kriegsverbrechen an Hunderttausenden ist die Rede. In Berlin soll nun ein neues Denkmal entstehen.

Guido Westerwelle reiste zur Präsentation des Berichts nach Rom.
Guido Westerwelle reiste zur Präsentation des Berichts nach Rom.(Foto: dpa)

Mit einer Gedenkstätte in Berlin soll künftig an das Schicksal von mehr als 600.000 italienischen Soldaten erinnert werden, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs von Nazi-Deutschland inhaftiert wurden. Als geeigneten Ort schlug eine deutsch-italienische Historikerkommission ein ehemaliges Zwangsarbeiterlager im Stadtteil Niederschöneweide vor. Kleinere Stätten soll es auch in Italien geben.

Die 2008 eingesetzte Kommission legte in Rom ihren Abschlussbericht vor. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte bei dieser Gelegenheit tiefstes Bedauern über das von Nazi-Deutschland begangene Unrecht. Im deutschen Namen seien durch nichts zu rechtfertigende Verbrechen in Italien und an Italienern begangen worden, sagte der Minister. Er sprach sich für einen "Ort der Erinnerung" aus.

Ziel der Kommission war es, die deutsch-italienische Kriegsvergangenheit aufzuarbeiten. "Das soll zu keiner Revision gültiger Geschichtsdeutungen oder gar zu einer Relativierung von deutschen Kriegsverbrechen in Italien führen", heißt es im Bericht. Vielmehr gehe es darum, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu schaffen und "festgefahrene Stereotype" zu überwinden.

25.000 Italiener starben

Über drei Jahre hatten die Historiker dazu vor allem Berichte von Zeitzeugen in Deutschland und Italien ausgewertet – etwa in Form von Tagebüchern, Briefen oder Überlieferungen von Opferbefragungen. Ihr Abschlussbericht beleuchtet vor allem "die leidvollen Erfahrungen" der nach Deutschland deportierten italienischen Soldaten. Ihr Schicksal sei bis heute weitgehend vergessen worden, schreiben die Autoren. Sie appellieren daher an Berlin und Rom, Erinnerungsstätten zu schaffen. Diese sollten Orte der Erinnerung und Forschung sein.

Im September 1943 hatte Italiens faschistische Regierung, die bis dahin mit Nazi-Deutschland verbündet war, mit den Alliierten einen Waffenstillstand geschlossen. Daraufhin setzten deutsche Truppen nach Schätzungen zwischen 600.000 und 650.000 italienische Soldaten als sogenannte Militärinternierte fest. Viele wurden zur Zwangsarbeit verschleppt, vorwiegend in Betriebe der Rüstungsindustrie nach Deutschland und auf den Balkan. Etwa 25.000 Italiener kamen dabei ums Leben. Von etwa 5000 Gefangenen verlor sich jede Spur.

Sowohl Westerwelle wie auch sein italienischer Amtskollege Giulio Terzi unterstrichen bei der Präsentation des Berichts in Rom die Bedeutung der Europäische Union bei der Annäherung beider Länder. Europa sei die Antwort auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, sagte Westerwelle.

Quelle: n-tv.de

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