Politik

Millionen für vermeintliche Nazi-Opfer: Holocaust-Fonds wurde betrogen

Bei der Jewish Claims Conference für Opfer des Holocaust werden Gelder im Volumen von vermutlich mehr als 42 Millionen Dollar veruntreut. Gegen 17 mutmaßliche Betrüger wird in den USA Anklage erhoben. Die Bundesregierung prüft, ob sie Schadenersatz verlangt.

Bei einer Gedenkveranstaltung an den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943.
Bei einer Gedenkveranstaltung an den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Bundesregierung prüft nach einem groß angelegten Betrug mit deutschen Holocaust-Entschädigungen in den USA, ob sie Schadenersatz verlangt. Das teilte ein Sprecher des Finanzministeriums mit. Die Bundesregierung sei über die laufenden Ermittlungen in den USA "fortwährend unterrichtet" worden. Auch die deutsche Botschaft in Washington sei eingeweiht gewesen. Berichten zufolge wurden die Zahlungen an die Jewish Claims Conference (JCC) vorläufig gestoppt.

Vermeintliche Holocaust-Opfer in den USA hatten sich offenbar in mehr als 5600 Fällen deutsche Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt rund 42 Millionen Dollar, umgerechnet rund 30,5 Millionen Euro, erschlichen. Mehrere Mitarbeiter der JCC stehen im Verdacht, mit Komplizen über Jahre Anträge gefälscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen 17 Verdächtige.

"Von der deutschen Regierung eingerichtete und finanzierte Hilfsfonds für Holocaust-Opfer wurden von den Gierigen abgeschöpft und nicht wie vorgesehen an die Bedürftigen ausgezahlt", sagte die New Yorker Chefin der US-Bundespolizei FBI, Janice Fedarcyk.

JCC zeigt sich schockiert

Die JCC hatte den Fall den Angaben der US-Justiz zufolge im Dezember 2009 selbst aufgedeckt und unmittelbar den Behörden gemeldet. "Wir sind geschockt, dass Menschen Geld stehlen, das für die Überlebenden des schlimmsten Verbrechens der Geschichte bestimmt ist", erklärte JCC-Präsident Julius Berman. Sechs der Angeklagten sind derzeitige oder ehemalige Mitarbeiter der Claims Conference. Die Organisation vertritt seit 1951 die Ansprüche von Holocaust-Überlebenden gegenüber der Bundesrepublik.

Die Betrüger zapften der Staatsanwaltschaft zufolge zwei Entschädigungsfonds der Bundesrepublik an, die von der JCC verwaltet werden. Demnach erhielten 4957 Menschen in den Jahren 2000 bis 2009 unberechtigt eine Einmalzahlung in Höhe von 3600 Dollar aus dem Hardship Fonds, der als Härtefonds für aus dem Ostblock emigrierte Holocaust-Überlebende eingerichtet worden war. Weitere 658 Menschen hätten im Zuge des Betrugs Gelder aus dem sogenannten Artikel-2-Fonds kassiert, der Holocaust-Überlebende mit einer monatlichen Rente von 411 Dollar unterstützt.

Viele der Empfänger seien jedoch nach 1945 geboren und mindestens ein Antragsteller sei nicht einmal Jude gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Angeklagten hätten systematisch Anträge mit gefälschten Pässen und Geburtsurkunden vorgelegt, denen die beschuldigten JCC-Mitarbeiter dann stattgegeben hätten. Im Gegenzug behielten diese einen Teil der Zahlungen für sich. Den mehrheitlich aus Russland stammenden Angeklagten drohen im Fall einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Haft.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen