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Rund 200.000 Menschen sind auf der Flucht vor den selbsternannten Gotteskämpfern.
Rund 200.000 Menschen sind auf der Flucht vor den selbsternannten Gotteskämpfern.(Foto: REUTERS)

Berlin fordert diplomatische Lösung: IS-Terroristen ermorden Dutzende Jesiden

Im Irak bauen Dschihadisten ihr Terror-Regime weiter aus. Im Norden des Landes müssen Dutzende junge Männer sterben, weil sie keine Muslime werden wollen. Während kurdische Kämpfer eine Offensive starten, lehnt die Bundesregierung eine militärische Lösung ab.

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Nach ihrem weiteren Vormarsch im Norden des Iraks haben Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mindestens 67 junge Männer mit Schüssen hingerichtet. Bei den Opfern aus der Stadt Sindschar habe es sich um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden gehandelt, berichteten Augenzeugen. Sie hätten sich geweigert, zum Islam überzutreten. Anderen Medienberichten zufolge wurden 88 junge Männer hingerichtet.

Derweil haben kurdische Kämpfer nach ihrem Rückzug aus großen Gebieten im Norden des Iraks eine Offensive gegen die Terrorgruppe IS begonnen. Kurdische Peschmerga-Einheiten hätten einen kleinen Ort nördlich der Stadt Mossul zurückerobert, berichtete das kurdische Nachrichtenportal Rudaw. Das Portal hatte zuvor heftige Angriffe der Peschmerga auf die Extremisten gemeldet.

Die Terroristen hatten am Wochenende nach blutigen Kämpfen mit den Peschmerga-Einheiten große Gebiete im Norden und Westen von Mossul unter ihre Kontrolle gebracht. Unter anderem nahmen IS-Kämpfer den größten Staudamm des Iraks, die Mossul-Talsperre und zwei Ölfelder ein. Die Region gilt als Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Jesiden, Angehörige einer monotheistischen Religion. Viele Muslime betrachten sie als "Ungläubige" und "Teufelsanbeter". Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 200.000 Menschen vor den Extremisten geflohen. Die meisten Flüchtlinge sind Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden, einer monotheistischen Religion.

Bundesregierung gegen militärisches Eingreifen

Auch nach dem jüngsten Vormarsch der militanten Islamisten ist die Bundesregierung gegen eine militärische Unterstützung ihrer Gegner. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes räumte zwar ein, mit der Eroberung weiterer Gebiete durch die Terroristen habe sich die Lage am vergangenen Wochenende weiter dramatisiert. Eine dagegen gerichtete Aufrüstung kurdischer Truppen wäre aber die falsche Antwort auf diese Entwicklung, sagte sie. Vielmehr müssten sich die Parteien in Bagdad auf die Bildung einer Regierung unter Beteiligung aller ethnischen und religiösen Gruppen verständigen. Der beste Weg, IS zu schwächen sei es, dafür zu sorgen, dass die Sunniten den Terroristen keine Rückendeckung mehr gewährten.

Unterdessen umfliegt die Deutsche Lufthansa wegen der Kämpfe im Irak weiterhin die von der IS kontrollierten Gebiete. Nach abermaliger Beratung mit den Sicherheitsbehörden soll jedoch ab sofort die nordirakische Stadt Erbil wieder angeflogen werden, wie Europas größte Fluggesellschaft mitteilte. Die An- und Abflüge sollten allerdings nicht über das Krisengebiet führen. Erbil liegt deutlich außerhalb der direkten Krisenzone im Irak. Auch die Konzerntöchter Lufthansa Cargo, Austrian Airlines und Swiss seien davon betroffen. Lufthansa fliegt Erbil zweimal wöchentlich an, Austrian Airlines sogar täglich.

Nach dem Abschuss einer Malaysia-Airlines -Maschine über der Ukraine reagieren Airlines nervös auf Berichte über mögliche Gefahren und überprüfen ihre Flugrouten über Kisengebiete. Fluggesellschaften nutzen auf dem Weg zwischen Europa und den Golf-Staaten die Routen über den Irak.

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Quelle: n-tv.de

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