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Der Deutschland-Chef von Ikea, Peter Betzel, präsentiert die Studie in den Räumen der Stasi-Unterlagenbehörde.
Der Deutschland-Chef von Ikea, Peter Betzel, präsentiert die Studie in den Räumen der Stasi-Unterlagenbehörde.(Foto: REUTERS)

"Maßnahmen nicht wirkungsvoll genug": Ikea wusste von Zwangsarbeit

Politische Häftlinge waren in DDR-Betrieben an der Herstellung von Möbelstücken für Ikea beteiligt. Eine Untersuchung mit diesem Ergebnis sorgt bei Opferverbänden allerdings nicht für Genugtuung, sondern für Ärger. Denn nicht Historiker sind die Verfasser der Studie, sondern Wirtschaftsprüfer.

In der DDR sind bei der Produktion von Ikea-Möbeln Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Eine von Ikea in Auftrag gegebene Untersuchung habe Hinweise ergeben, "dass politische Häftlinge und Strafgefangene in Teilen an der Produktion von Komponenten oder Möbelstücken, die vor 25 bis 30 Jahren an Ikea geliefert wurden, beteiligt waren", teilte der schwedische Möbelhersteller mit.

Zudem habe die Studie ergeben, dass Vertreter im Ikea-Konzern von der Möglichkeit des Einsatzes politischer Gefangener in der DDR wussten. Ikea habe zwar Schritte unternommen, um sicherzustellen, "dass Gefangene nicht für die Herstellung eingesetzt wurden", erklärte das Unternehmen in Berlin. Es sei nun aber klar, "dass diese Maßnahmen nicht wirkungsvoll genug waren".

"Zu jener Zeit hatten wir noch nicht das heutige, gut ausgearbeitete Kontrollsystem und haben offensichtlich nicht genug getan, um derartige Produktionsweisen zu verhindern", sagte die schwedische Ikea-Managerin Jeanette Skjelmose.

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass Ikea wie auch andere westliche Unternehmen von der Produktion durch politische Gefangene in der DDR profitiert hatten. Ikea kündigte daraufhin eine Überprüfung der Vorwürfe an und gab bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young eine Studie in Auftrag.

Opfer kritisieren Studie

Die Vergabe der Studie an Ernst & Young stieß bei Opferverbänden auf geteilte Reaktionen. Zur Vorstellung der Studie hatte die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) eingeladen, der über 30 Vereine und Verbände politisch Verfolgter aus der sowjetischen Besatzungszone und der DDR angehören. Ihr Vorsitzender Rainer Wagner würdigte die Bereitschaft Ikeas, die Vorwürfe gegen den Konzern zu untersuchen. "Hier hat wenigstens mal einer einen Anfang gemacht", sagte er der "Berliner Zeitung". Ziel müsse eine grundsätzliche Aufarbeitung unter Beteiligung aller betroffenen Unternehmen sein. "Am Ende müsste eine Entschädigung stehen."

Dagegen warf die DDR-Opfer-Hilfe Ikea vor, eine "unwissenschaftliche Show-Veranstaltung" zu inszenieren. Die Untersuchung lasse die wissenschaftlichen Mindeststandards vermissen, erklärte der Verein."Ikea als Beschuldigter führt selbst die Ermittlungen, anstatt das unvoreingenommenen Stellen zu überlassen. Deshalb bezweifeln wir sehr, dass die Studienergebnisse valide sind", sagte der Vize-Vorsitzende des Vereins, Roland Schulz. Das Thema sollte vielmehr vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin gemeinsam mit Historikern und Politikwissenschaftlern untersucht werden.

Grundsätzlich forderte die DDR-Opfer-Hilfe von der Politik, "vor dem Thema Zwangsarbeit in der DDR nicht länger die Augen zu verschließen". Viele politische Häftlinge hätten damals Produkte fertigen müssen, die dann auch im Westen verkauft worden seien. Diese Zwangsarbeit sei bis heute nicht entschädigt worden. Der Opferverband forderte deshalb einen Entschädigungsfonds.

Quelle: n-tv.de

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