Politik
Gedränge bei der Tafel in Trier.
Gedränge bei der Tafel in Trier.(Foto: picture alliance / dpa)

"Sozialpolitik ist gescheitert": Immer mehr müssen zur Tafel

Die nüchternen statistischen Daten über Armut in Deutschland manifestieren sich täglich in langen Schlangen vor den Tafeln. Fast 900 dieser Hilfsstellen gibt es bereits - Tendenz steigend. Und die Zahl der Bedürftigen, die dringend Lebensmittel brauchen, nimmt weiter zu. Der Verband der Tafeln stellt der Politik daher ein schlechtes Zeugnis aus.

Gerd Häuser spricht sich auch gegen das Betreuungsgeld aus.
Gerd Häuser spricht sich auch gegen das Betreuungsgeld aus.(Foto: dpa)

Der Bundesverband Deutsche Tafel hat eine Reform der Arbeitslosenversicherung und einen höheren Hartz-IV-Satz für Kinder gefordert. "Wer viele Jahre oder Jahrzehnte mit seinen Beiträgen andere unterstützt hat, der muss auch länger als ein Jahr Anspruch auf Leistungen der Solidargemeinschaft haben", sagte Verbandschef Gerd Häuser. Zugleich sprach er sich für ein Mindestarbeitslosengeld deutlich über dem Hartz-IV-Regelsatz aus.

"Die Sozialpolitik der letzten Jahre kann als weitgehend gescheitert angesehen werden", erklärte Häuser. Mit mehr als zwölf Millionen Menschen seien so viele wie noch nie in Deutschland von Armut betroffen, und es werde immer schwieriger, dieser Spirale zu entkommen.

Die Zahl derer, die an den Lebensmittel-Ausgaben der Tafeln Hilfe suchten, sei binnen eines Jahres von 1,3 Millionen auf 1,5 Millionen gestiegen. In Deutschland gibt es inzwischen 891 Tafeln. Inzwischen lebe jedes siebte Kind von Hartz IV, in Ostdeutschland sogar jedes vierte Kind.

Besorgt seien die Tafeln vor allem über die wachsende Alters- und Kinderarmut, sagte Häuser. Er verlangte von der Politik, die Hartz-IV-Leistungen von Kindern neu zu berechnen und ihren echten Bedürfnissen anzupassen. Auch sei eine flächendeckende Kinderbetreuung und kostenloses Mittagessen in Schulen und Kindergärten vonnöten. "Wir müssen es schaffen, allen Kindern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen - egal, wie einkommensstark ihre Eltern sind."

Lebensmittel im Müll

Außerdem kritisierte der Verband die geplante Einführung des Betreuungsgeldes. Diese Zahlung könne sich negativ auf die Beschäftigung von Frauen und Migranten und damit auf deren Einkommen auswirken, so Häuser. Vielmehr müsse das Betreuungsangebot für Kinder flächendeckend ausgebaut werden, um auch kinderreichen Eltern und Alleinerziehenden Vollzeitarbeit und ein Entrinnen aus der Armut zu ermöglichen.

An diesem Donnerstag beginnt in Suhl das dreitägige Bundestreffen der Tafeln, die Bedürftige unter anderem mit Lebensmitteln versorgen. Bis zu 800 Helfer, Freunde und Förderer werden dazu erwartet. Dabei soll es auch um die Frage gehen, wie die Verschwendung von Lebensmitteln eingedämmt werden kann.

Quelle: n-tv.de

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