Politik

Informant war der Taxifahrer: Irakkrieg fliegt Blair um die Ohren

"Zweifelsfrei" verfüge der Irak über Massenvernichtungswaffen, sagte Tony Blair 2002. Eine Sicht, die sein damaliger Geheimdienstchef nun als "Kommentierung" wertet. Unterdessen entpuppt sich ein wichtiger Informant der Briten als Taxifahrer.

Bagdad in Flammen: Der Irak am 21. März 2003.
Bagdad in Flammen: Der Irak am 21. März 2003.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der ehemalige britische Regierungschef Tony Blair gerät im Zuge der neuen Informationen über die Hintergründe des Irakkrieges zunehmend unter Druck. Nun distanzierte sich Blairs Geheimdienstchef John Scarlett vom 2002 vorgelegten Regierungsbericht über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak. Die Ansicht Blairs, festgehalten im Vorwort des Berichts, wonach der Geheimdienst die Existenz solcher Waffen "zweifelsfrei" belegt habe, teile er nicht, sagte Scarlett. Blairs Sichtweise basiere auch nicht auf den Geheimdienstinformationen, die er damals im Hauptteil des Regierungsberichts dargestellt habe, sagte Scarlett. Vor dem Untersuchungsausschuss über die britische Rolle im Irakkrieg sagte er weiter, Kritik an Blair habe ihm als damaligem Geheimdienstchef allerdings nicht zugestanden. "Das Vorwort war eine offenkundig politische Aussage des Premierministers. Es waren durchgängig seine Worte und seine Kommentierung."

Scarlett hatte das Dossier verfasst, das Blair im September 2002, ein halbes Jahr vor Beginn des Kriegs, vorstellte. In dem Bericht hieß es, der Irak könne 45 Minuten nach einem Befehl des damaligen Machthabers Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen abfeuern. Briten und Amerikaner hatten sich auf diese Aussage als Notwendigkeit für einen Einmarsch in den Irak gestützt. Scarlett räumte nun ein, es wäre klüger gewesen, wenn sich das Zeitfenster von 45 Minuten klar auf Gefechtsmunition bezogen hätte statt für Raketen, die Massenvernichtungswaffen tragen könnten.

Vom Frieden ist der Irak noch immer weit entfernt.
Vom Frieden ist der Irak noch immer weit entfernt.(Foto: dpa)

Der Bericht ist ein Schlüsseldokument für den Irakkrieg. Er stand bereits in den letzten Jahren vielfach in der Kritik. Scarlett wies allerdings die Vorwürfe zurück, der Bericht habe die Fakten bewusst aufgebauscht. Der Geheimdienst habe Informationen nicht vorsätzlich manipuliert, so der Ex-Geheimdienstchef.

"Doggy dossier"

Die Information über Massenvernichtungswaffen bezog die Blair-Regierung nach Angaben des Oppositionspolitikers Adam Holloway "von einem Taxifahrer an der irakisch-jordanischen Grenze, der sich an eine zufällig mitgehörte Unterhaltung in seinem Taxi vor zwei Jahren erinnert hatte". Ein Geheimdienstmitarbeiter habe die Aussage in einer Fußnote als "nachweislich falsch" bezeichnet. Die Regierung habe sie dennoch als wahr eingestuft und ihr Irak-Dossier darauf gestützt, schrieb Holloway in einem Bericht der Denkfabrik First Defence. Die Regierung kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

Der Irak-Bericht von 2002 bekam später den Namen "dodgy dossier" (zwielichtiges Dossier), weil sich herausstellte, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte. Großbritannien war im Frühjahr 2003 an der Seite der USA in den Irak einmarschiert - ohne UN-Mandat und gegen den Willen der meisten Briten. Unabhängig von Holloways Bericht beschäftigt sich derzeit ein Untersuchungsausschuss mit dem Einmarsch der Briten in den Irak. Vor diesem Ausschuss soll im kommenden Jahr auch Blair aussagen.

 

Quelle: n-tv.de

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