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Nasrin Sotudeh - aufgenommen kurz vor ihrer Verhaftung im Jahr 2010.
Nasrin Sotudeh - aufgenommen kurz vor ihrer Verhaftung im Jahr 2010.(Foto: picture alliance / dpa)

Präsident Ruhani löst Wahlversprechen ein: Iran lässt Menschenrechtlerin Sotudeh frei

Für ihren Kampf gegen Ungerechtigkeit und den Einsatz für iranische Regimegegner wird die Anwältin Sotudeh 2010 zu elf Jahren Haft verurteilt. Jetzt kommt sie überraschend zusammen mit 15 weiteren politischen Häftlingen frei. Als erstes will sie ihren Sohn selber in die Schule bringen - uns sich dann wieder für Gerechtigkeit einsetzen.

Die prominente iranische Anwältin und Menschenrechtaktivisten Nasrin Sotudeh ist von der iranischen Justiz freigelassen worden. "Das ist ein schönes Gefühl, wieder Zuhause zu sein und die Menschen zu umarmen, die mir in all den Jahren so gefehlt haben", sagte sie am Abend vor Journalisten in Teheran. Die 48 Jahre alte Sotudeh gehört nach Angaben der iranischen Grünen-Oppositionsbewegung Kalame zu einer Gruppe von mehr als 15 politischen Gefangenen, die seit Dienstag freigelassen worden seien.

Aus der Haft entlassen worden seien auch der ehemaliger Vizeaußenminister Mohsen Aminsadeh (56) und Fejsollah AranSorchim, der während der Amtszeit des früheren Präsidenten Mohammed Chatami (1997-2005) Vize-Handelsminister war.

Nach ihrer Freilassung sagte Sotudeh weiter, die Zeit im Gefängnis sei ein Albtraum gewesen - psychisch mehr als physisch. Das alles sei aber nun Vergangenheit, denn sie habe ihre Familie wieder. "Mein Sohn Nima kommt in die erste Klasse und ich werde den kleinen Mann höchstpersönlich in die Schule bringen", kündigte sie an. Das alleine mache all das Leid der vergangenen Jahre vergessen, so die Anwältin.

Auf die Frage, ob sie nach all den Jahren im Gefängnis wieder arbeiten würde, sagte Sotudeh: "Ich kehre bald zu meinem Job als Anwältin zurück und werde erneut für Gerechtigkeit kämpfen."

"Wichtiges positives Signal" der iranischen Führung

Die Haftentlassungen wurden im Iran als großer innenpolitischer Erfolg für den neuen Präsidenten Hassan Ruhani gewertet. Er hatte sich bereits im Wahlkampf für die Freilassung aller politischen Gefangenen und für Meinungsfreiheit starkgemacht.

Sotudeh wurde im September 2010 verhaftet und wegen angeblicher Propaganda gegen das Establishment zu elf Jahren Haft verurteilt. Im Dezember vergangenen Jahres wurde sie zusammen mit dem iranischen Filmemacher Jafar Panahi vom Europaparlament mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet. Mit dem Preis wurde der Mut der Menschenrechtsaktivisten gewürdigt, "die sich für die Freiheit der Meinung, der Kunst und der individuellen Rechte" einsetzten.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz begrüßte die Nachricht von der Freilassung Sotudehs und weiterer politischer Gefangenen als "wichtiges positives Signal" der iranischen Führung. "Nasrin Sotudeh hat sich für die Achtung der individuellen Freiheitsrechte und einen demokratischeren Iran eingesetzt." Er freue sich schon sehr darauf, sie zusammen mit dem noch immer unter Hausarrest stehenden Filmemacher Panahi in Straßburg begrüßen zu dürfen.

"Iran strebt nicht nach Atomwaffen"

Ruhani versicherte außerdem, dass sein Land niemals Atomwaffen bauen werde. "Unter keinen Umständen würden wir nach Massenvernichtungswaffen streben, Atomwaffen eingeschlossen", sagte Ruhani in einem Interview mit dem US-Sender NBC. Darin lobte er auch die "positive" Herangehensweise von US-Präsident Barack Obama.

Der Westen verdächtigt den Iran seit Jahren, ein militärisches Atomprogramm zu unterhalten. Teheran weist diese Vorwürfe zurück und betont, die Atomforschung allein zu zivilen Zwecken wie der Energiegewinnung zu betreiben.

Ruhani reist in der kommenden Woche zur Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York. Es war das erste Interview mit einem US-Sender, seitdem er im Amt ist. Er verwies dabei darauf, dass er nach seinem Amtsantritt im August einen Brief von Obama erhalten habe. "Aus meiner Sicht ist der Ton des Briefs positiv und konstruktiv", sagte Ruhani. "Er könnte ein subtiler und kleiner Schritt für eine sehr wichtige Zukunft sein."

Quelle: n-tv.de

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