Politik

Israel denkt an Libanon-Einmarsch: Iran schickt Kriegsschiffe

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Der Iran schickt zwei Kriegsschiffe auf dem Weg nach Syrien durch den Suezkanal. Israels Außenminister Lieberman spricht von einer Provokation. So etwas sei seit 1979 nicht mehr geschehen. Israel könne dies auf Dauer nicht ignorieren. Als Reaktion auf die Äußerungen Liebermans steigen an den Weltmärkten die Erdölpreise.

Der iranische Präsident Ahmadinedschad erinnert an die islamische Revolution 1979.
Der iranische Präsident Ahmadinedschad erinnert an die islamische Revolution 1979.(Foto: picture alliance / dpa)

In Nahen Osten stehen die Zeichen auf Sturm. Erneut kündigt sich ein Krieg zwischen Israel und dem Libanon an. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak schließt einen neuen Einmarsch der israelischen Armee in den Libanon nicht aus. "Wir müssen auf jede Herausforderung vorbereitet sein", sagte Barak der Zeitung "Haaretz" zufolge bei einem Truppenbesuch. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah drohte darauf im Gegenzug mit einem Angriff auf den Norden Israels. Zeitgleich schickt der Iran zwei Kriegsschiffe auf dem Weg nach Syrien durch den Suezkanal.

Außenminister Awigdor Lieberman sprach von einer "unerträglichen Provokation". So etwas sei seit Jahren nicht mehr geschehen. Es sei bedauerlich, dass die internationale Gemeinschaft nicht bereit sei, etwas dagegen zu unternehmen. Israel könne diese Provokationen auf Dauer nicht ignorieren. Die beiden iranischen Kriegsschiffe sollen in der Nacht zum Donnerstag durch den Suezkanal fahren. Die Fregatten sind eingeladen, ein Jahr lang in syrischen Häfen anzulegen.

Ministerpräsident Netanjahu warnt, niemand solle an Israels Stärke und Verteidigungsbereitschaft zweifeln.
Ministerpräsident Netanjahu warnt, niemand solle an Israels Stärke und Verteidigungsbereitschaft zweifeln.(Foto: REUTERS)

Aus israelischen Sicherheitskreisen heißt es: "Israel wird wissen, damit umzugehen". Lieberman fügte hinzu: "Iran hat Nerven. Seine Selbstherrlichkeit wächst von Tag zu Tag." Der frisch gekürte Generalstabschef Benny Gantz spricht von "neuen Herausforderungen". Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte, dass "niemand an Israels Stärke und seiner Bereitschaft zweifeln sollte, sich zu verteidigen." Als Reaktion auf die Äußerungen Liebermans stiegen an den Weltmärkten die Erdölpreise. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent zog bis zum Abend um bis zu 2,83 Dollar auf ein 29-Monats-Hoch von 104,52 Dollar an. US-Öl der Sorte WTI verteuerte sich um mehr als einen Dollar auf 85,39 Dollar.

Nasrallah richtet sich an seine Gefolgsleute

Nasrallah spricht zu seinen Anhängern.
Nasrallah spricht zu seinen Anhängern.(Foto: dpa)

Nasrallah äußerte unterdessen klare Kriegsdrohungen an den Erzfeind Israel. Von seinem geheimen Bunker aus, wo er sich seit dem Libanonkrieg 2006 aus Furcht vor einem israelischen Anschlag versteckt hält, hielt er per Videokonferenz eine Rede an Gefolgsleute in Beirut. "Das Blut von Imad Murgnieje ist nicht umsonst geflossen", warnte Nasrallah und drohte Israel mit gebührender Rache. Murgnieje war jahrelang der Militärchef der Hisbollah. Er wurde 2008 in Damaskus bei einem bis heute nicht aufgeklärten Attentat getötet, das wegen der sehr exakten Planung und Ausführung dem Mossad zur Last gelegt wird. Wegen "akuter Drohungen" – angeblich aus Anlass dieses Jahrestags – hat Israel die Botschaften in Mauretanien, in der Elfenbeinküste und anderen Ländern geschlossen. Auch in Kairo bleibt die Botschaft vorläufig dicht.

Israelische Diplomaten in aller Welt wurden zu "erhöhter Aufmerksamkeit" aufgerufen. Die Antiterror-Abteilung des israelischen Außenamtes hat zudem dringende Reisewarnungen an Juden und Israelis ausgesprochen, die Länder Ägypten, Türkei, Georgien, Armenien, die Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien und Venezuela zu meiden.

Mansour tritt in Beirut auf

Mansour lässt sich in Beirut feiern.
Mansour lässt sich in Beirut feiern.(Foto: dpa)

Der Auftritt Nasrallahs galt auch der Ehrung von Mohammed Youssef Mansour. Er  wurde 2010 in Ägypten zusammen mit 25 anderen Hamas- und Hisbollah-Kämpfern zu langjährigen Haftstrafen wegen der Planung von Anschlägen verurteilt. Mansour war der prominenteste Häftling, der während der Unruhen in Kairo aus dem Gefängnis entkommen konnte. Durch seinen öffentlichen Auftritt in Beirut wurde bestätigt, dass ihm die Flucht nach Libanon gelungen ist. Jetzt saß er in der ersten Reihe, hielt eine Hisbollah-Flagge hoch und machte mit den Fingern das Siegeszeichen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen