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Islamisten der Gruppe Ansar Dine posieren für einen Fotografen.
Islamisten der Gruppe Ansar Dine posieren für einen Fotografen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Malis Schätze in Gefahr : Islamisten zerstören Welterbe

Die islamischen Heiligengräber von Timbuktu zählen zu den größten Schätzen der Wüstenstadt im Norden Malis und stehen auf der Liste des Weltkulturerbes. Doch am Wochenende reißen islamistische Rebellen mindestens vier Mausoleen ein und kündigen an, auch die weiteren Grabmäler zu zerstören.

Islamistische Rebellen haben in Timbuktu im Norden Malis die Zerstörung jahrhundertealter Heiligengräber fortgesetzt. Am Morgen begannen Dutzende mit Hacken und Meißeln ausgerüstete Islamisten Augenzeugen zufolge, ein viertes Grabmal einzureißen.

Aus Sicht der radikalen Islamisten verstößt die Verehrung der Heiligen und ihrer Gräber gegen den Islam, der den Gläubigen verbiete, andere Götter neben Allah zu verehren. Am Samstag hatten sie an anderen Stellen Timbuktus bereits drei Heiligengräber zerstört und angekündigt, weitere Grabmäler "ohne Ausnahme" einzureißen.

"Perle der Wüste"

Timbuktu liegt etwa tausend Kilometer nördlich von Malis Hauptstadt Bamako. Die Stadt am Rande der Sahara wird auch "Perle der Wüste" genannt und zählt seit 1988 zum Weltkulturerbe. Die zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert von  Tuareg-Stämmen gegründete Stadt war ein geistiges Zentrum des Islam  und beherbergt tausende historische Manuskripte. Gemeinsam mit Timbuktu gehören drei große Moscheen und 16 Heiligengräber in der charakteristischen Lehmbauweise zum Weltkulturerbe.

Ebenso wie die Moscheen stammen die Heiligengräber aus der Blütezeit der Stadt zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, als sie ein wichtiger Knotenpunkt der Karawanenstraßen und ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit war. Daneben besitzt die Stadt einen einzigartigen Schatz arabischer Manuskripte. Nach der Besetzung Timbuktus durch die Islamistengruppe Ansar Dine Anfang April brachten die Bibliothekare einen Teil der Sammlung an einem geheimen Ort in Sicherheit.

Nach Angaben eines malischen Experten gehören die zerstörten Grabmäler von Sidi Mahmud, Sidi Moctar, Alpha Moya zu den wichtigsten der Mausoleen von Timbuktu. Die Heiligen würden von der Bevölkerung als Beschützer der Stadt verehrt. Zudem würden sie etwa um Regen, eine gute Ernte oder Glück in der Ehe gebeten.

Unesco verurteilt Zerstörung

Ansar Dine hatte die Stadt gemeinsam mit Tuareg-Rebellen kampflos unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem die Regierung im März von einer Gruppe Soldaten gestürzt worden war. Vergangene Woche vertrieben die Islamisten dann die Tuareg. Ihre strikte Auslegung der islamischen Gesetze ist jedoch völlig konträr zu dem in Timbuktu vorherrschenden Islam. Augenzeugen zufolge weigerten sich örtliche Maurer daher auch, den Islamisten bei der Zerstörung der Heiligtümer zu helfen.

Die Unesco verurteilte die Zerstörung und forderte ein sofortiges Ende der Verwüstungen. Nichts könne eine solche Vernichtung rechtfertigen, sagte Generaldirektorin Irina Bokova. Wegen des bewaffneten Konflikts im Norden von Mali zwischen Islamisten und Tuareg auf der einen und Regierungstruppen auf der anderen Seite hatte das Unesco-Welterbekomitee Timbuktu erst am Donnerstag auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass unschätzbare historische Zeugnisse von Islamisten vernichtet werden. 2001 sprengten Taliban zwei gigantische Buddha-Statuen im Bamian-Tal in Afghanistan in die Luft.

Quelle: n-tv.de

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