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Israel fliegt Luftangriffe auf den  Gazastreifen.
Israel fliegt Luftangriffe auf den Gazastreifen.(Foto: dpa)

Sicherheitsrat besorgt: Israel rüstet sich für Einmarsch

Auch der UN-Sicherheitsrat findet keinen Hebel, um die Spirale der Gewalt im Gaza-Streifen zu stoppen. Israel zieht Reservisten ein und verkündet, für alle Optionen gewappnet zu sein - auch für einen Einsatz von Bodentruppen. An der Seite von Premier Netanjahu steht US-Präsident Obama: Selbstverteidigung sei das gute Recht Israels, sagt er.

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Nach der Eskalation im Nahen Osten haben die Vereinten Nationen vor "möglicherweise katastrophalen Folgen" gewarnt. Die Situation dürfe nicht unterschätzt werden, sagte der UN-Untergeneralsekretär für Politische Fragen, Jeffrey Feltman, in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. UN-Diplomaten berichten, dass große Einigkeit im Rat geherrscht habe und die Lage als höchst bedrohlich eingeschätzt wurde. Palästinenser und Israelis wurden zur Zurückhaltung aufgefordert. Beschlüsse standen nicht zur Debatte.

Die israelische Militäroperation gegen militante Palästinenser im Gazastreifen kann nach Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Bedarfsfall sogar noch ausgeweitet werden. Das israelische Militär erklärte, alle Optionen lägen auf dem Tisch. Die Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden auch für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden.

Angriffe gehen weiter

Das israelische Sicherheitskabinett gab Verteidigungsminister Ehud Barak bei einer Dringlichkeitssitzung grünes Licht für die Mobilisierung von Reservisten. Dies solle geschehen, falls Bedarf bestehe, berichteten israelische Medien.

Indessen ging am Morgen der Beschuss Israels mit zahlreichen Raketen aus dem Gazastreifen weiter, berichteten israelische Medien. Dabei wurde unter anderem ein vierstöckiges Wohnhaus in Kiriat Malachi getroffen. Es kamen mindestens drei Menschen ums Leben. Aus den Trümmern sind zahlreiche Verletzte geborgen worden.

Doch auch die israelische Luftwaffe setzte ihre Militärschläge fort. Eine Armeesprecherin sagte, seit Mitternacht seien etwa 100 Ziele angegriffen worden. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Safa kamen seit Beginn der Operation elf Palästinenser ums Leben, über 100 wurden demnach verletzt. Unter den Toten waren den Angaben zufolge auch zwei Kinder und eine schwangere Frau. Israel warf nach Medienberichten Flugblätter über dem Gazastreifen ab, die Zivilisten dazu aufriefen, sich zu ihrem eigenen Schutz von Waffenlagern fernzuhalten.

Eskalation durch Tod al-Dschabaris

Indessen hat US-Präsident Barack Obama mit Netanjahu telefoniert. Dabei sicherte er Israel seine Unterstützung zu. Obama habe in dem Telefonat bekräftigt, dass Israel ein Recht auf Selbstverteidigung habe, teilte das Weiße Haus mit. Netanjahu solle alles dafür tun, um Todesopfer in der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Beide Politiker seien darin einig, dass die radikal-islamische Hamas ihre Angriffe auf Israel beenden müsse.

Zuvor hatten schon US-Vizepräsident Joe Biden und Netanjahu ein persönliches Gespräch. Biden sei von dem israelischen Premier über die Geschehnisse unterrichtet worden. Obama und Netanjahu wollten auch in den kommenden Tagen in Kontakt bleiben.

Zum Auftakt einer neuen Offensive namens "Säule der Verteidigung" tötete die israelische Luftwaffe gezielt den Militärchef der radikal-islamischen Hamas, Ahmed al-Dschabari, und seinen Assistenten. Bei mehr als 20 Luftangriffen starben weitere sieben Palästinenser in dem Gebiet am Mittelmeer. 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Opposition unterstützt Regierung

Militante Palästinenser feuerten israelischen Medienberichten zufolge Dutzende Raketen Richtung Israel ab. Dort suchten Hunderttausende Menschen Zuflucht in Schutzräumen. Autos in Beerscheva gingen in Flammen auf, mehrere Gebäude wurden getroffen. Von Opfern wurde zunächst nichts bekannt.

Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung von Al-Dschabari eine "Kriegserklärung" und kündigte massive Rache an. Die israelische Armee bezeichnete Al-Dschabari als "Terroristen Nummer eins" im Gazastreifen. Er sei auch an der Entführung des vor gut einem Jahr freigelassenen israelischen Soldaten Gilad Schalit in den Gazastreifen beteiligt gewesen. Auch andere Hamas-Führer seien nun vogelfrei.

Verteidigungsminister Barak nannte vier Ziele der Aktion: Stärkung der israelischen Abschreckung, Zerstörung der Raketen-Infrastruktur im Gazastreifen, Schwächung terroristischer Gruppen und Schutz der israelischen Bevölkerung vor künftigen Raketenangriffen. Auch die Opposition unterstützte das Vorgehen.

Obama redet Mursi zu

Ägypten berief indessen aus Protest gegen Israels Angriffe seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück. Zudem werde Israels Botschafter einbestellt werden. US-Präsident Obama führte daraufhin auch ein Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Dabei soll es um die zentrale Rolle des nordafrikanischen Landes in dem Konflikt gegangen sein. Die beiden Staatschefs seien darin einig, dass sich die Situation so schnell wie möglich beruhigen müsse, teilte das Weiße Haus mit.

Die neue Runde der Gewalt hatte begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden.

Quelle: n-tv.de

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