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Gantz hat einen guten Draht zu den US-Militärs.
Gantz hat einen guten Draht zu den US-Militärs.(Foto: dpa)

Erfahren und diplomatisch versiert: Israels neuer Armeechef

von Ulrich W. Sahm

Der neue Generalstabschef gilt als einer der fähigsten Generäle Israels. Er ist kampferfahren und verfügt zudem noch über enge Beziehungen zum US-Militär.

Der neue Chef des Generalstabschefs, Benjamin "Benny" Gantz wurde 1959 in Kfar Achim geboren. Der Vater von vier Kindern betonte bei seiner Einführungszeremonie, Sohn von Holocaustüberlebenden zu sein.

Gantz wurde mit 18 zum Militär eingezogen. Er volontierte bei den Fallschirmspringern und trat 1979 die Offizierslaufbahn an. Er studierte Geschichte in Tel Aviv, Politikwissenschaften in Haifa und das Management nationaler Resourcen an der National Defence University in den USA. Im Laufe seiner Militärkarriere befehligte er die "Königsfischer-Einheit", eine geheime Elitetruppe der Luftwaffe. Er war Befehlshaber der Reserveeinheiten im Nordkommando entlang der Grenzen zu Libanon und Syrien und leitete das Verbindungsbüro zur libanesischen Armee. Während der Zweiten Intifada, ab 2000, war er Kommandeur der Truppen im Westjordanland. 2001 übernahm er das Nordkommando, wechselte aber 2005 als Militärattaché nach Washington, ehe 2006 der Libanonkrieg ausbrach.

Barak (links) und Netanjahu (rechts gratulieren Gantz zu seinen neuen Aufgaben.
Barak (links) und Netanjahu (rechts gratulieren Gantz zu seinen neuen Aufgaben.(Foto: dpa)

Dank dem diplomatischen Posten in der amerikanischen Hauptstadt knüpfte er enge und sogar freundschaftliche Beziehungen zur Spitze des US-Militärs. Die Anwesenheit des amerikanischen Oberbefehlshabers, Admiral Michael G. Mullen, beim Festakt zu seinem Amtsantritt  war nicht nur ein hochpolitisches amerikanisches Signal in turbulenten Zeiten im Nahen Osten, sondern auch ein Zeichen der persönlichen Freundschaft zwischen den Männern, die die stärkste Armee in der Welt und im Nahen Osten anführen. Der zwei Meter große Gantz überragt den Generalstab um einen Kopf und gilt als einer der fähigsten Generale Israels. Kriegserfahrung sammelte er 1982 im Libanon und bei den kriegerischen Auseinandersetzungen im Libanon bis zum Rückzug 2000.

Bei den militärischen Auseinandersetzungen mit Palästinensern während der beiden "Intifada"-Aufstände wurde ihm allerdings ein schweres Versagen angehängt. Am 1. Oktober 2000 stürmten bewaffnete palästinensische Kämpfer die israelische Enklave des Josefsgrabs in der Stadt Nablus. Dabei wurde der drusische Grenzschützer Madhat Yusuf von einem palästinensischen Scharfschützen an der Schlagader verletzt. Gantz war Kommandeur der Truppen im Westjordanland. Anstatt Verstärkung zu schicken, um den verblutenden Yusuf zu evakuieren, entschied der damalige Ministerpräsident und Verteidigungsminister Ehud Barak, die palästinensische Autonomiebehörde unter Jassir Arafat zu bitten, den Verletzten in Sicherheit zu bringen.

Doch Arafats Truppen kamen nicht, zumal sie selber an dem Angriff auf die Heilige Stätte beteiligt waren. Der 19 Jahre alte Yusuf verblutete nach vier Stunden und wurde zu einem Symbol gescheiterter Operation der israelischen Armee. Die Familie des toten Korporals versuchte vor Gericht, in letzter Minute die Ernennung von Gantz zum Oberbefehlshaber zu verhindern. Doch Oberrichter Jakob Turkel, der auch die Vorgänge auf der blockadebrechenden türkischen "Mavi Marmara" untersucht hatte, entschied, dass Gantz damals nicht der ranghöchste Offizier vor Ort war. Es gab militärische wie politische Erwägungen außerhalb des Verantwortungsbereichs von Gantz, zum Josefsgrab keine Hilfe zu entsenden, um Yusuf zu retten. So wurde die Klage der Yusuf-Familie wegen unterlassener Hilfe für einen Verletzten zurückgewiesen.

Ulrich W. Sahm

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

Quelle: n-tv.de

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