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Spitzenpolitiker der AfD: Alexander Gauland, Björn Höcke und Frauke Petry.
Spitzenpolitiker der AfD: Alexander Gauland, Björn Höcke und Frauke Petry.(Foto: picture alliance / dpa)

Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Ist die AfD der deutsche Front National?

In Frankreich fährt der Front National seit Jahren zweistellige Ergebnisse ein, die deutsche AfD ist vergleichsweise jung. Infolge ihres Rechtsrutsches in den vergangen Monaten sehen Experten sie mittlerweile aber durchaus in der Nähe der Le-Pen-Partei.

Mit dem Front National gewinnt in Frankreich eine rechte Partei bei einer landesweiten Wahl. Wäre so etwas auch in Deutschland denkbar? In der Bundesrepublik gab es bislang keine über längere Zeit erfolgreiche Partei rechts von CDU und CSU. "Rechte Parteien hatten hier immer große Schwierigkeiten, ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus zu klären", sagt Politikwissenschaftler Gideon Botsch von der Universität Potsdam n-tv.de.

Deutschland gehörte zu den Profiteuren der EU, deshalb gab es bisher keinen Nährboden, keine Stimmung, mit der sich Politik machen ließ. Im Zuge der Flüchtlingsproblematik kann sich Botsch jedoch vorstellen, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern könnte. Dafür müsste die AfD jedoch schaffen, was dem Front National und anderen europäischen Rechtsparteien schon gelungen ist – eine feste Bindung an Milieus.

AfD-Gründer Bernd Lucke grenzte sich noch deutlich vom Front National ab. Im EU-Parlament sitzen die Parteien nicht in einer gemeinsamen Fraktion. Beide haben unterschiedliche Traditionen. Der Front National stammt aus dem antidemokratischen Bereich, die AfD als Abspaltung aus CDU und FDP aus dem demokratischen Spektrum. Dennoch hält Botsch sie in ihrer Ausrichtung für vergleichbar, "auch wegen der Rolle der Frauen". Wie der Front National habe auch die AfD mit Frauke Petry eine weibliche Führungsfigur.

Botsch hält den Front National noch immer für rechtsextrem, er sei demokratiefeindlich, habe klare Feindzuschreibungen und stehe für ethnischen Nationalismus. Und die AfD? Einer Umfrage von Infratest Dimap zufolge sehen die Wahlberechtigten die AfD auf einer Skala von 1 (links) bis 11 (rechts) zwischen 8 und 9 und damit deutlich weiter rechts als noch vor einem Jahr, damals lag sie zwischen 7 und 8. Die NPD liegt in der Umfrage zwischen 9 und 10.

Bis vor kurzem sei die Alternative eine rechtspopulistische Partei gewesen, sagt Botsch. Mit immer schrilleren Tönen, der Bedienung von Sorgenthemen und Vorschlägen, die die deutsche Verfassungsordnung infrage stellten, habe sich die Partei zuletzt rapide nach rechts verschoben. "Die Scheu geht verloren. Die AfD ist auf der schiefen Bahn nach rechts unten", sagt Botsch. Es sei nur eine Frage der Zeit, wie lange die Partei ihren Widerstand gegen die Bezeichnung rechtsextrem noch aufrechterhalten könne.

Der frühere Parteivize Hans-Olaf Henkel hatte erst kürzlich den Kurs der AfD scharf kritisiert. Die Partei sei, "eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD". "Wir haben ein richtiges Monster erschaffen", so Henkel.

Quelle: n-tv.de

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