Politik

Zuzahlungen und Praxisgebühr: Jeder Achte geht nicht zum Arzt

Weil Praxisgebühr und Zuzahlungen vielen Patienten offenbar zu teuer sind, geht einer Studie zufolge jeder Achte nicht zum Arzt, auch wenn er krank ist. Überhaupt verlieren die Deutschen das Vertrauen in das Gesundheitssystem. Die langfristigen Kosten dieser Entwicklung könnten ziemlich hoch werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz Krankheit nicht zum Arzt? Die Praxisgebühr und weitere Zuzahlungen halten laut einer Studie in Deutschland fast jeden Achten trotz Beschwerden vom Arztbesuch ab. Das berichtete der Siegener Soziologe Claus Wendt auf der Grundlage einer neu ausgewerteten Befragung aus dem Jahr 2008 mit 1000 Teilnehmern.

Demnach schwächen die Zuzahlungen auch das generelle Vertrauen ins Gesundheitssystem ab. In Deutschland fehle laut der Befragung jedem Vierten das Vertrauen, bei einer schweren Erkrankung ausreichend medizinisch versorgt zu werden, sagte Wendt. Vor allem bei Einkommensschwachen wirken die privaten Zuzahlungen als Barriere.

Im Vergleich schlechter

Wendt hatte mit seinem Team Befragungen aus verschiedenen Ländern ausgewertet. In den USA, Großbritannien, Neuseeland, Australien, den Niederlanden und der Bundesrepublik waren 15.000 Menschen befragt worden. In den Niederlanden fühlen sich die Menschen am besten versorgt. Dort hatten nur 1,5 Prozent der Befragten trotz Beschwerden keinen Arzt befragt. In Großbritannien lag der Anteil bei 1,8 Prozent. In Deutschland verzichteten 11,7 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben trotz Beschwerden in den zwölf Monaten vor der Befragung wegen der Zuzahlungen auf einen Arztbesuch. Im größtenteils auf Privatversicherungen basierenden Gesundheitssystem in den USA waren es sogar 24,6 Prozent.

Der Wissenschaftler hält aus Kostengründen gestrichene Arztbesuche unter dem Strich für kontraproduktiv. Langzeitstudien brächten vermutlich das Ergebnis, dass dies wegen der Folgekosten teurer für das System werde, sagte Wendt. "Erste Ergebnisse von Untersuchungen aus den USA legen das nahe."

Quelle: n-tv.de

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