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Manchem, der voll arbeitet, ginge es mit Hartz IV besser.
Manchem, der voll arbeitet, ginge es mit Hartz IV besser.(Foto: picture alliance / dpa)

Knapp über der Armutsgrenze: Jeder fünfte Vollbeschäftigte verdient wenig

Vollzeit arbeiten und kaum über die Runden kommen - für viele Deutsche ist das Normalität. Besonders dramatisch ist die Lage in Ostdeutschland. Linken-Fraktionsvize Ernst spricht von einem "untragbaren Zustand" und fordert Konsequenzen.

Rund 4,1 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 1926 Euro brutto im Monat. Rund jeder Fünfte der knapp 20 Millionen Vollbeschäftigten bundesweit liegt damit nur knapp über der Armutsgrenze. Dies geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage des Fraktionsvorsitzenden der Linkpartei im Bundestag, Klaus Ernst, hervor.

Besonders hoch ist die Zahl der Niedrigverdiener in den neuen Ländern mit mehr als 38 Prozent. Die Zahlen der BA beziehen sich auf Vollzeitbeschäftige ohne Azubis im Jahr 2012.

Insgesamt verdienten laut BA 20,6 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland 2012 weniger als 1926 Euro im Monat. Am höchsten ist die Zahl der Niedrigverdiener in Mecklenburg-Vorpommern. Dort verdient fast jeder Zweite (43,7 Prozent) voll Erwerbstätige weniger als 1926 Euro brutto und liegt selbst damit am Rande des Existenzminimums. In wirtschaftlich prosperierenden Baden-Württemberg liegt diese Zahl bei nur 14,0 Prozent.

"Im Osten ist Niedriglohn Normalfall. Das ist ein untragbarer Zustand", sagte Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst der Zeitung "Die Welt". Ernst fordert deshalb, dass der Mindestlohn "schnell kommen und schnell steigen" müsse.

Mehr "normale" Stellen

Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt indes, dass in Deutschland so viele Menschen wie nie zuvor einen Job haben. Das sei wesentlich dem Zuwachs an flexiblen Arbeitsverhältnissen zu verdanken. Die Zunahme sogenannter atypischer Beschäftigungsverhältnisse - also Teilzeit, befristete Arbeit, Leiharbeit oder Minijob - gehe nicht zulasten der klassischen Arbeitsverhältnisse, heißt es in einer Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA).

Demnach arbeiteten 2003 nur 19 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis. Zehn Jahre später waren es 24 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Erwerbsfähigen, die eine klassische unbefristete Vollzeitstelle hatten, von 39 auf 41 Prozent. Gründe dafür seien "vor allem der starke industrielle Kernbereich des deutschen Arbeitsmarkts und der Mangel an qualifizierten Fachkräften".

Generell prognostizieren die Autoren der Studie eine weitere Flexibilisierung der Arbeitswelt. Zugleich warnte Werner Eichhorst, Direktor beim IZA und Autor der Studie, vor neuen Regulierungen des Arbeitsmarktes, etwa durch einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro. "Wenn dieser Mindestlohn, der ja relativ hoch ist, so kommt, dann wird ein Teil der atypisch Beschäftigten mehr bekommen, ein Teil wird aber den Job verlieren."

Quelle: n-tv.de

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