Montag, 22. November 2010
Tod Uwe Barschels: Justiz prüft Wiederaufnahme
Uwe Barschel starb 1987.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Staatsanwaltschaft Lübeck prüft, ob sie die 1998 abgeschlossenen Ermittlungen der Todesursachen des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel wieder aufnehmen soll. Grund seien Presseberichte, nach denen Barschel 1987 in einem Genfer Hotel nicht Selbstmord begangen haben soll, sondern ermordet wurde, sagte ein Sprecher der Behörde. Die "Welt am Sonntag" hatte ein Gutachten des Schweizer Toxikologen Hans Brandenburger veröffentlicht, nachdem die in dem Buch "Geheimakte Mossad" beschriebene Tötung Barschels plausibel erscheint.
Nach dem Buch von Victor Ostrovsky soll ein fünfköpfiges Kommando des israelischen Geheimdienstes den CDU-Politiker getötet haben. Demnach sind Barschel mit einem Zäpfchen Beruhigungsmittel eingeführt worden. Außerdem sollen ihm über einen Magenschlauch Medikamente eingeflößt worden sein. Danach soll der bewusstlose Barschel in eine Badewanne gelegt worden sein, wo er unter Krämpfen gestorben sein soll. Grund für den Mord sei gewesen, dass Barschel ein Waffengeschäft zwischen Israel und dem Iran habe veröffentlichen wollen.
"Die chemischen Befunde indizieren einen Mord", zitierte das Blatt den Schweizer Experten. Der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft erklärte, es sei noch nicht abzusehen, wann entschieden werde, ob wieder in dem Fall ermittelt werden sollten.
Ex-Agent Ostrovsky erklärte, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Tod Barschels überraschten ihn nicht. "Ich weiß ja, dass es so war", wurde Ostrovsky zitiert. Der Autor, der bis heute nie offiziell von deutschen Ermittlern zum Geschehen von Genf befragt wurde, zeigte sich bereit zu einer Aussage: "Ich stehe den deutschen Strafverfolgungsbehörden jederzeit als Zeuge zur Verfügung, solange ich dabei in den USA bleiben kann."
dpa
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