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Der 87-jährige Nuon Chea war Chefideologe der Roten Khmer.
Der 87-jährige Nuon Chea war Chefideologe der Roten Khmer.(Foto: Reuters)

Rote Khmer töteten 1,7 Millionen Menschen: Kambodschaner hoffen auf Gerechtigkeit

Die Rote Khmer übte in Kambodscha eine gnadenlose Schreckensherrschaft aus. Durch das Regime kam ein Viertel der Bevölkerung ums Leben. Nun stehen die Täter vor Gericht.

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Rote-Khmer-Schreckensherrschaft in Kambodscha haben im Prozess gegen die noch lebenden Drahtzieher die Schlussplädoyers begonnen. Im vollen Gerichtssaal saßen Angehörige der Opfer und Überlebende. "Viele haben ihre Erlebnisse hier zum ersten Mal geschildert, das hat Mut gefordert", sagte Anwalt Pich Ang. "Sie erwarten, dass ihr Anspruch auf Gerechtigkeit und Wiedergutmachung endlich wahr wird." Das endgültige Urteil wird erst 2014 erwartet.

Auf der Anklagebank saßen der damalige Chefideologe und Vertreter von Regimechef Pol Pot, "Bruder Nummer Zwei" Nuon Chea, und 82-jährige Ex-Staatschef Khieu Samphan. Sie sind unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord angeklagt. Die Roten Khmer, die von 1975-79 agierten, wollten eine maoistische Agrargesellschaft schaffen. Sie wurden zunehmend paranoid und sahen überall Feinde der Revolution. Durch Hungersnöte, Zwangsarbeit, Folter und Mord kamen nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen um.

Zwangsheirat und Vergewaltigung

Die Anwälte der Opfer erinnerten an Zeugenberichte über erzwungene Heiraten, Vergewaltigungen und die Gewalt gegen Angehörige der muslimischen Cham-Minderheit sowie gegen Mönche, die das Regime als "Parasiten" betrachteten. Die Angeklagten sagten im Prozess, sie wussten von den Gräueltaten nichts.

Der 87-jährige Nuon Chea verließ den Gerichtssaal nach 20 Minuten. Er verfolgte die Plädoyers weiter über Videoverbindung vom Bett seiner Zelle aus. In dem Prozess waren auch Ieng Thirith und Ieng Sary angeklagt, sie war damals Sozialministerin, er Außenminister. Das Verfahren gegen die 81-Jährige wurde wegen fortschreitender Demenz eingestellt, ihr Mann war im März im Alter von 87 Jahren gestorben.

Die Roten Khmer überrannten das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land 1975. Sie wurden erst als Befreier begrüßt, zeigten aber binnen Tagen ihr wahres Gesicht und bauten einen Gefängnis- und Folterstaat auf. Millionen Menschen trieben sie aufs Land und in die Zwangsarbeit.

Quelle: n-tv.de

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