Donnerstag, 26. August 2010
Korruption und Geheimdienst: Karsai-Berater von CIA bezahlt
Die Bekämpfung der Korruption hat für Afghanistans Präsidenten Karsai oberste Priorität. Enge Mitarbeiter, sogar sein Halbbruder stehen trotzdem unter dem Verdacht der Bestechlichkeit. Ein enger Vertrauter soll laut einem Zeitungsbericht nun auch noch auf der Gehaltsliste des CIA stehen.
Hamid Karsai bei einem Treffen mit Stammesältesten in Kundus (Archivbild).
(Foto: dpa)
Ein unter Korruptionsverdacht stehender Vertrauter des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ist einem Bericht der "New York Times" zufolge auf der Gehaltsliste des US-Geheimdienstes CIA zu finden. Der ranghohe Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats Afghanistans, Mohammed Sia Salehi, habe jahrelang Geld von der CIA erhalten, berichtete die Zeitung.
Die "NYT" berief sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter der USA und aus Afghanistan. Der Zeitung zufolge war unklar, welche Rolle Salehi für die CIA übernahm, ob er Informationen gesammelt habe oder versucht habe, gegenüber der afghanischen Regierung US-Interessen zu vertreten.
Auto für den Sohn verlangt
Salehi war im Juli kurzzeitig unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Die afghanische Polizei teilte nach einer Abhöraktion mit, dass er im Zusammenhang mit US-Ermittlungen gegen eine Firma für seinen Sohn ein Auto verlangt habe. Das Unternehmen steht im Verdacht, im Auftrag von Aufständischen, Drogenhändlern und auch afghanischen Politikern Geld ins Ausland geschafft zu haben. Salehi wurde bereits nach wenigen Stunden wieder freigelassen, nachdem sich Präsident Karsai persönlich für ihn eingesetzt hatte. Laut "New York Times" hatte die CIA mit der Freilassung nichts zu tun.
Salehi ist nicht der erste afghanische Vertreter, der unter Korruptionsverdacht steht und zugleich auf der Gehaltsliste der CIA stehen soll. Auch gegen den Halbbruder von Präsident Karsai, Ahmed Wali Karsai, lagen diese Vorwürfe vor, die dieser jedoch zurückwies. Staatschef Karsai steht unter enormem Druck, gegen die Korruption im Land anzukämpfen. Dies ist nach Auffassung der US-Regierung um Präsident Barack Obama Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf gegen die Taliban und für Stabilität im Land.
Überfall auf Polizisten
Derweil haben Kämpfer der radikal-islamischen Taliban in der nordafghanischen Provinz Kundus acht Polizisten getötet. Der Überfall habe sich in den frühen Morgenstunden ereignet, als die Polizisten schliefen, sagte Provinz-Gouverneur Mohammad Omar. Ein weiterer Polizist sei verletzt worden. Anwohner sprachen auch von zivilen Opfern, Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
Die Taliban haben sich trotz der Präsenz von etwa 150.000 ausländischen Soldaten in Afghanistan zunehmend in den vormals relativ friedlichen Norden vorarbeiten können. Besonders Kundus ist zum Brennpunkt extremistischer Anschläge geworden und dient den Taliban als strategische Basis. Erst vor kurzem wurden in der Provinz bei einem Selbstmordanschlag sieben Polizisten getötet.
In den vergangenen Wochen war Kritik an der von US-Präsident Barack Obama festgesetzten Abzugsfrist für die US-Truppen laut geworden. Seine Ankündigung habe den Taliban Auftrieb gegeben, sagte US-General James Conway. Die afghanische Regierung hatte sich dieser Einschätzung angeschlossen.
AFP/rts
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