Hartz' Herz schlägt nichtKaum jemand vermittelt
Die einst hochgelobten Personal-Service-Agenturen haben bislang kaum jemanden vermittelt. Ist das so genannte Herzstück der Hartzreform kläglich gescheitert?
„PSA“ – vielen sagt das kaum etwas. Und genauso vernichtend ist der bisherige Erfolg der Personal-Service-Agenturen, die sich hinter dem Kürzel verbergen. Dabei sind sie der Bundesregierung zufolge das Herzstück des Hartz-Konzeptes.
In Berlin und Brandenburg zumindest haben die 55 Agenturen bisher nur 14 Arbeitslose in feste Jobs vermittelt. Bundesweit sieht es nicht besser aus. Das Wirtschafts- und Arbeitsministerium (BMWI) spricht von 117 vermittelten Stellen bis Ende Juli. 6.100 Menschen seien bis dahin überhaupt nur in den PSA registriert worden.
Die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Sybill Klotz, beurteilt die PSA bereits als Flop und spricht von „reiner Geldverschwendung“. Sogar Arbeitsämter könnten größere Erfolge nachweisen, so ihre Kritik. Auch beschönigen die PSA die Arbeitslosenzahlen: Wer einmal als PSA-Angestellter gilt, verschwindet aus der Statistik.
Clement bittet um Geduld
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) räumt die Anlaufprobleme der PSA ein, bittet aber gleichzeitig um Geduld. "Etwas Geduld ist hier wirklich angebracht", sagte Clement der "Berliner Zeitung". "Die PSA haben gerade erst angefangen zu arbeiten."
Die Bundesanstalt für Arbeit weist die Kritik an der Vermittlungsbilanz zurück. Sprecherin Bettina Schmidt sagte, die Mehrzahl der rund 750 PSA sei erst im Juni/Juli an den Start gegangen. Frühestens im Herbst könne man die Entwicklung beurteilen.
Mehr Schein als Sein?
Der Vorwurf, die Agenturen würden mit Dumping-Löhnen operieren, weist das BMWI zurück. In diesem Fall hätte es doch einen regelrechten PSA-Boom geben müssen, so das Ministerium. Und über den Sommer hätten auch normale Zeitarbeitsfirmen saisonbedingte Schwierigkeiten. Es gebe durchaus noch Chancen für die PSA.
Die PDS-Arbeitsmarktpolitikerin Carola Freundl hingegen kritisierte, dass die Konkurrenz der PSA zu den traditionellen Zeitarbeitsfirmen unzulässig sei. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht die Agenturen eher negativ. Zwar räumt sie ein, dass die PSA erst in der Startphase seien und man daher noch kein abschließendes Resümee ziehen könne, aber trotzdem würden sich schon jetzt zahlreiche PSA-Schwachpunkte abzeichnen. Die BDA berichtet unter anderem von der Zweckentfremdung von Fördergeldern und hält den Vorwurf der extremen Niedriglöhne aufrecht.
Was die Agenturen überhaupt machen
Bei Personal-Service-Agenturen handelt es sich um beim Arbeitsamt angesiedelte Zeitarbeitsfirmen, deren Leistungen Arbeitsuchende und Arbeitgeber in Anspruch nehmen können. Arbeitslose können bei einer PSA als Leiharbeitnehmer in unterschiedlichen Unternehmen eingesetzt werden. Die geeigneten Kandidaten werden vom Arbeitsamt ausgesucht, dann folgt ein Bewerbungsgespräch mit der jeweiligen PSA, wobei auch ein Leistungsprofil erstellt wird. Die Leihmitarbeiter bekommen einen regulären Vertrag über durchschnittlich neun Monate. Das Honorar für die Agentur besteht aus einer monatlichen Fallpauschale sowie einer pauschalen Vermittlungsprämie; beide sind degressiv gestaltet.
Übrigens: Die Idee der PSA war gar nicht so neu. Bereits von 1994 bis 1996 konnten Zeitarbeitsfirmen öffentlich gefördert werden, wenn sie schwervermittelbare Arbeitslose mit dem Ziel der endgültigen Vermittlung an Dritte einstellten. Damals hatte der Bundesrechnungshof jedoch beschieden, dass sich in der Vielzahl der Fälle die Förderung aus öffentlichen Mittel nicht als sinnvoll erweise.