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Bewaffnete Sicherheitskräfte stoppten die Aktion der Aktivisten.
Bewaffnete Sicherheitskräfte stoppten die Aktion der Aktivisten.(Foto: imago stock&people)

Russland geht gegen Greenpeace-Aktivisten vor: Kein Kontakt zu geentertem Schiff

Aktivisten protestieren gegen Ölbohrungen im Nordpolarmeer. Doch bevor sie ein Transparent an einer Plattform anbringen können, stürmen russische Sicherheitskräfte ihr Schiff. Dann verliert Greenpeace den Kontakt zu seinem Team.

Die Umweltschützer von Greenpeace haben keinen Kontakt zu ihrem von russischen Sicherheitskräften geenterten Schiff "Arctic Sunrise". "Sobald das Schiff in Murmansk ist, werden wir sehen, was unseren Aktivisten genau vorgeworfen wird", sagte Jörg Feddern von Greenpeace. Die "Arctic Sunrise", deren 27 Besatzungsmitglieder festgenommen wurden, wird frühestens in zwei Tagen in der nordrussischen Hafenstadt erwartet.

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 Die Aktivisten hatten zwei Tage zuvor versucht, eine Ölplattform des russischen Staatskonzerns Gazprom im Nordpolarmeer zu erklimmen. In Schlauchbooten protestierten sie geplante Bohrungen und versuchten, an der Plattform ein Transparent anzubringen. Daraufhin stürmten bewaffnete Sicherheitskräfte den Eisbrecher. Der Kapitän habe Aufforderungen zum Stopp ignoriert, teilte der für den Grenzschutz zuständige Inlandsgeheimdienst FSB mit. Roman Dolgow von Greenpeace sagte, die Crew werde von Bewaffneten bewacht.

Die Aktivisten müssen mit einer Anklage wegen Piraterie rechnen. Dafür sieht das russische Gesetz bis zu 15 Jahre Haft vor. "Die Vorwürfe sind sehr hart, entbehren aber nach unserer Einschätzung jeder Grundlage", sagte Feddern. Das Moskauer Büro der Organisation warf dem Geheimdienst FSB ungesetzliches Handeln vor. "Bislang hat der FSB die Greenpeace-Aktivisten weder offiziell angeklagt noch ihnen die Gründe für ihre Festnahme erklärt", hieß es in einer Mitteilung.

"Das ist willkürliche Gewalt"

Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven sagte: "Wir wissen derzeit nicht, was genau an Bord passiert." Deutsche Aktivisten seien nicht an Bord des Schiffes, das unter niederländischer Flagge fährt. "Unsere Kollegen werden gegen ihren Willen in internationalem Gewässer von der Küstenwache festgehalten. Das ist willkürliche Gewalt", kritisierte er.

Zuvor hatte die Sprecherin des Grenzschutzes im nordrussischen Gebiet Murmansk, Lilija Moros, im Radiosender Echo Moskwy mögliche Vorwürfe wegen Terrorismus angedeutet. Auf einem der Schlauchboote habe sich ein Gegenstand befunden, "der wie eine Bombe aussah".

Die "Arctic Sunrise" habe sich in der von Russland festgelegten 500 Meter breiten Sperrzone rund um die Bohrinsel befunden, sagte Moros und widersprach damit einer Erklärung von Greenpeace, wonach der Eisbrecher im neutralen Gewässer lag. "Den Umweltschützern wird höchstwahrscheinlich zur Last gelegt, das Gesetz über den Festlandsockel und die ausschließliche Wirtschaftszone der Russischen Föderation verletzt zu haben", sagte Moros weiter.

Vor dem Gebäude der Küstenwache in Murmansk veranstalteten junge Umweltschützer aus Protest gegen das Vorgehen der Behörden eine Mahnwache. Weltweit demonstrierte Greenpeace vor russischen Botschaften gegen das Vorgehen der Behörden, darunter in Berlin.

Dort hielten Teilnehmer einer Mahnwache Transparente in verschiedenen Sprachen hoch, auf denen zu lesen war: "Lasst unsere Aktivisten frei. Schützt die Arktis". Es sei gelungen, einem Botschaftsvertreter die Forderung nach Freilassung der Aktivisten zu überbringen. Ähnliche Greenpeace-Aktionen vor diplomatischen Vertretungen Russlands habe es am Freitag an 34 Orten weltweit gegeben, etwa in Buenos Aires und Helsinki, sagte von Lieven.

Quelle: n-tv.de

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