Politik
Bei der Wahlparty der Piraten am Sonntagabend.
Bei der Wahlparty der Piraten am Sonntagabend.(Foto: dpa)

Pirat Lauer nach Berliner Wahlerfolg: "Keine potemkinschen Dörfer bauen"

Christopher Lauer ist nach dem Achtungserfolg bei der Bundestagswahl 2009 der Piratenpartei beigetreten. Zwei Jahre später zieht er für die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Noch kann er den Erfolg kaum fassen.

n-tv.de: Herzlichen Glückwunsch. Wie geht es Ihnen am Tag nach diesem Wahlerfolg?

Christopher Lauer: Mir fehlen immer noch die Worte. Es ist ein wahnsinniges Ergebnis, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Das verpflichtet uns umso mehr, dass wir diese 15 Mandate auch alle annehmen. Das ist schon eine Herausforderung für uns. Ich denke, wir tun gut daran, jetzt eine steile Lernkurve hinzulegen.

Jetzt kommen auch sehr schnell die inhaltlichen Anforderungen. Inwieweit sind Sie darauf vorbereitet, welche Prioritäten wollen Sie setzen?

Christopher Lauer trat für die Piraten in Pankow/Prenzlauer Berg an.
Christopher Lauer trat für die Piraten in Pankow/Prenzlauer Berg an.(Foto: dpa)

Wir haben nun die Möglichkeit, dass sich 15 Piraten als Fraktion zusammenfinden und inhaltlich in die Themen einarbeiten können. Wir werden Mitarbeiter einstellen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen. Seit Sonntag hat sich da natürlich noch nicht viel getan, aber uns ist klar, dass der "Dilettantenbonus" nicht lange hält. Wir werden überall dort, wo es sich im politischen Alltag anbietet, Positionen entwickeln. Ich blicke dem positiv entgegen, das ist nichts, wovor wir Angst haben.

Was glauben Sie, sind die Piraten aus Protest oder schon für ihre Inhalte gewählt worden?

Da werden wir uns die Analysen noch einmal genau ansehen. Sicher haben beide Überlegungen eine Rolle gespielt. Die Bemerkung von Klaus Wowereit in der "Bild"-Zeitung, man dürfe uns nicht wählen, weil wir ja eine Protestpartei seien, hat sicher genau dieses Wählerpotenzial noch einmal motiviert. Ich glaube aber auch, dass wir zunehmend aufgrund unserer Positionen gewählt werden. Denn wenn ich mir ansehe, dass vier Prozent unserer Wähler über 60 sind, dann ist das doch ein gutes Zeichen.

Inhaltlich versprechen sich Ihre Wähler mehr Bürgerbeteiligung. Bekommt Berlin jetzt ganz schnell Liquid Democracy?

Ich habe ja selbst die bundesweite Implementierung in unserer Partei geleitet. Deshalb ist mir klar, dass da ein ziemlich dickes Brett zu bohren ist. Wir wollen ja da keine potemkinschen Dörfer hinsetzen. Es wäre kein Problem, jetzt ganz schnell einen Server hinzustellen, jeder kann sich anmelden und ein bisschen rummachen. Aber wenn Liquid Democracy ernsthaft umgesetzt werden soll, dann muss man sich intensiv damit auseinandersetzen, wie die Rückkopplungsfunktionen sinnvoll eingesetzt werden können. Sonst bringen sich die Bürger ein und wissen gar nicht, was mit ihren Vorschlägen passiert. Diese Frustration wollen wir vermeiden. Wenn wir das machen, wollen wir das auch richtig machen.

Mit Christopher Lauer sprach Solveig Bach

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Quelle: n-tv.de

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