Politik

US-Außenminister mit Lob im Gepäck: Kerry kehrt zurück nach Berlin

John Kerry ist nicht zum ersten Mal hier: Der frischgebackene Außenminister der USA kennt Berlin noch aus seiner Kindheit, kann von Abenteuern aus der zerstörten Grenzstadt in den 50er Jahren erzählen. Doch der Demokrat schwelgt nicht nur in Erinnerungen, sondern deutet auch an, was seine Regierung in Zukunft von Deutschland erwartet.

John Kerry kennt sich hier aus.
John Kerry kennt sich hier aus.(Foto: REUTERS)

Der neue Außenminister der USA ist keiner, der gern übermäßig viel Zeit im Hotelzimmer verbringt. Vor allem nicht in Berlin. Und so ging John Kerry gleich nach der Ankunft im "Adlon" schon wieder raus vor die Tür: auf den Pariser Platz, einmal durchs Brandenburger Tor und dann noch zum Holocaust-Mahnmal, wo mehr als 2500 Beton-Quader an den millionenfachen Judenmord durch Nazi-Deutschland erinnern. Kerry erging es auf dem Stelenfeld, wie es vielen Besuchern beim ersten Mal geht: "Ich kam mir verloren vor."

Der Ausflug in die Abendkälte hatte auch mit seiner Vergangenheit zu tun: Kerry war genau in dieser Gegend Berlins schon einmal unterwegs. Allerdings liegt das mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. In den 50er Jahren war sein Vater als US-Diplomat in West-Berlin beschäftigt. Kerry selbst ging zwar aufs Internat in der Schweiz, kam aber oft an den Wochenenden und verbrachte auch einen Großteil der Ferien in der damaligen Hochburg des Kalten Krieges.

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Mehr als einmal erzählte der 69-Jährige während seines Besuchs die Geschichte, wie er seinerzeit mit zwölf nicht nur über den Kurfürstendamm radelte, sondern auch durchs Brandenburger Tor, in den Ostteil, bis zu den Trümmern von Hitlers "Führerbunker". Wäre der Diplomatensohn geschnappt worden, hätte das vermutlich einigen diplomatischen Ärger bedeutet. "Als mein Vater das mitbekam, war mein Reisepass weg", erinnerte sich Kerry im Gespräch mit einigen deutschen Jugendlichen. Außerdem gab es Hausarrest.

Kerry parliert auf Deutsch

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Vielleicht hat es tatsächlich mit den Erfahrungen von damals zu tun, dass der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten - Kerry unterlag 2004 gegen George W. Bush - bis heute als überzeugter Transatlantiker gilt. Und das in einer Zeit, in der viele Europäer mit Argwohn beobachten, wie sich die USA verstärkt um den Pazifikraum kümmern. Auf jeden Fall wurde genau registriert, dass ihn die erste Auslandsreise nach Europa führt - und eben nicht nach Asien, wo Vorgängerin Hillary Clinton ihren Anfang machte.

Aus jener Zeit spricht Kerry sogar noch passables Deutsch. Bei Kanzlerin Angela Merkel, bei Außenminister Guido Westerwelle und auch sonst noch bei einigen Gelegenheiten stellte er fest: "Es ist wunderbar, wieder hier in Berlin zu sein." Und auch sonst hielt sich der neue Außenminister mit Komplimenten nicht gerade zurück.

Gleich zum Auftakt, in der auf Facebook übertragenen Diskussionsrunde mit den Jugendlichen, lobte er: "Ich finde es bemerkenswert, wie Ihr Deutsche in Europa Führung übernehmt." Der Kanzlerin dankte er später sogar für "exemplarische Führung". Und fügte, mit einem Blick auf den ehemaligen Grenzverlauf vor der Kanzleramt, hinzu: "Was Sie für die Stadt und das Land getan haben, ist bemerkenswert."

Bloß keine Fehler machen bei der ersten Reise

Kerry überbrachte bei der Gelegenheit auch Grüße von Barack Obama. Ob der US-Präsident zum 50. Jahrestag von John F. Kennedys "Ich bin ein Berliner"-Rede im Juni nach Berlin kommen wird, verriet er nicht. Reine Höflichkeit oder gar Zufall war das alles nicht, sondern professionelle Vorbereitung. Für die Übersetzung im Auswärtigen Amt hatte Kerry sogar seine eigenen Ohrstöpsel mitgebracht. Das Eingangs-Statement las er aus einem mitgebrachten Aktenordner vor, eingetütet in Klarsichthüllen.

Mit Prognosen, was das alles für die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu bedeuten hat, sollte man allerdings vorsichtig sein - wenn auch die Meinung weit verbreitet ist, dass die Anforderungen, die Washington an Berlin stellt, auf jeden Fall steigen werden. Kerry bedankte sich ausdrücklich für das deutsche Engagement in Afghanistan, beim Atomstreit mit dem Iran und auch bei den Bemühungen um ein transatlantisches Freihandelsabkommen. Konkret wurde er bei seinen öffentlichen Äußerungen aber nicht.

Auch nicht, als er gefragt wurde, was er denn in Sachen Syrien oder zu sonstigen Themen seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow mitzuteilen habe, der für das erste Treffen eigens nach Berlin angeflogen kam. "Das wäre ein fürchterlicher diplomatischer Fauxpas, wenn ich das jetzt schon erzählen würde", zog sich Kerry aus der Affäre. Und einen Fehler bei der ersten Reise, das sollte man auch als US-Außenminister unbedingt vermeiden.

Quelle: n-tv.de

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