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In einer Metro-Station in Charkiw wird ein Mann verprügelt.
In einer Metro-Station in Charkiw wird ein Mann verprügelt.(Foto: AP)

Verletzte in Charkiw: Kiew entgleitet Kontrolle über Ost-Ukraine

Die Bilder gleichen sich: Pro-russische Demonstranten fordern eine Angliederung an Russland, offenkundig gut organisierte Bewaffnete stürmen Verwaltungsgebäude. Nach der Krim weiten sich die Unruhen im Osten der Ukraine aus.

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Die ukrainische Regierung versucht, den Osten des Landes durch wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch Erfolg hat sie dabei bisher offenbar nicht. Im Tagesverlauf häuften sich Berichte, wonach in weiteren Städten öffentliche Gebäude von pro-russischen Gruppen gestürmt wurden.

In Charkiw wurden in einer Metro-Station mehrere Menschen verletzt. Reporter berichteten, eine pro-russische Gruppe habe pro-westliche Aktivisten zusammengeschlagen. Unbestätigten Berichten zufolge wurde am Abend das Rathaus besetzt. In Jenakijewo, dem Heimatort des entmachteten und nach Russland geflohenen Präsidenten Viktor Janukowitsch, brachten Menschen am Sonntag mit Polizeizentrale und Stadtrat weitere Gebäude in ihre Gewalt. Auch in der 470.000-Einwohner-Stadt Mariupol soll ein Gebäude besetzt worden sein.

Am Morgen hatte Innenminister Arsen Awakow einen "Anti-Terror-Einsatz" in Slawjansk angekündigt. Reporter vor Ort berichteten allerdings, davon sei nichts zu sehen. Die Polizeistation und die Geheimdienstzentrale bleiben weiter besetzt. Ein Angriff auf die hinter Barrikaden verschanzten, bewaffneten Männer fand nicht statt.

"Es gab Tote und Verletzte auf beiden Seiten" schrieb Awakow später auf Facebook. Unter den Toten sei mindestens ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Fünf weitere seien verletzt worden. Auf der Gegenseite habe es eine unbekannte Zahl an Opfern gegeben. Details nannte der Minister nicht. Es wird spekuliert, dass ukrainische Sicherheitskräfte versucht haben, Straßenblockaden von Zufahrten nach Slawjansk aufzulösen.

Kritik an Russland

Seit Tagen halten pro-russische Demonstranten Verwaltungsgebäude in mehreren Städten im Osten der Ukraine besetzt, unter anderem in der Wirtschaftsmetropole Donezk. Sie fordern eine Angliederung der Region an Russland nach dem Vorbild der Krim oder zumindest ein Referendum über mehr Autonomie. Das lehnt die Übergangsregierung in Kiew aber ab - sie fürchtet ein Auseinanderbrechen des Landes. Die Präsenz uniformierter, bewaffneter und offenkundig gut organisierter Gruppen schürt den Verdacht, dass es sich wie bereits auf der Krim um russische Militärangehörige handelt. Die massive russische Truppenpräsenz an der Grenze schürt zudem die Sorge vor einer Intervention.

Schwedens Außenminister Carl Bildt machte Russland für die Lage verantwortlich. "Massive Eskalierung der Destabilisierungs-Strategie", twitterte er. Es handele sich um eine koordinierte Aktion, um Schlüsselteile der Ost-Ukraine zu kontrollieren. Das wäre ohne Russland nicht passiert. "Russland muss fordern, dass die illegalen bewaffneten Gruppen ihre Waffen niederlegen, besetzte Gebäude verlassen und die demokratische Ordnung akzepzieren."

EU-Außenminister treffen sich

Die USA warnten Russland erneut vor einem militärischen Eingreifen. Bei den Vorgängen in der östlichen Ukraine handle es sich um eine "konzertierte Kampagne" pro-russischer Separatisten, die offenbar von Russland unterstützt würden, sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der US-Regierung. Ziel der Separatisten sei es, den ukrainischen Staat zu destabilisieren. Ähnlich sei auch auf der Krim vorgegangen worden. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen machte Russland für die Eskalation verantwortlich.

Die EU-Außenminister kommen am Montag zusammen, um über eine gemeinsame Linie für das Krisentreffen in Genf zu beraten. Sollte Russland in der Ost-Ukraine militärisch eingreifen, drohten weitere Sanktionen, sagte der französische Staatssekretär Jean-Marie Le Guen. In einer ersten Stufe hat die EU Konten und Vermögenswerte von 33 Personen aus Russland und der Ukraine sperren lassen, die für die Eskalation auf der Krim verantwortlich gemacht werden.

Bei den Gesprächen in Luxemburg dürfte es auch um den Gasstreit mit Russland gehen. Die Ukraine kündigte am Samstag an, ihre Zahlungen für Gaslieferungen aus Russland vorerst zu stoppen. Damit droht der Konflikt um die Gasversorgung des EU-Anrainers zu eskalieren, über den die Hälfte der russischen Gaslieferungen an die EU und Deutschland fließen.

Quelle: n-tv.de

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