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Ukrainische Truppen vor Slawjansk - inzwischen ist die Armee weiter vorgestoßen.
Ukrainische Truppen vor Slawjansk - inzwischen ist die Armee weiter vorgestoßen.(Foto: REUTERS)

Verlustreiche Kämpfe in der Ukraine: Kiew startet Offensive auf Donezk

Die Ukrainische Armee erobert Stück für Stück den Osten des Landes. Die Rebellen ziehen sich weiter zurück. In Donezk kommt es zur Großoffensive der Regierungstruppen. Amnesty International berichtet über Folter und Menschenraub auf beiden Seiten.

Amnesty International wirft den bewaffneten Separatisten und regierungstreuen Truppen in der Ostukraine gravierende Menschenrechtsverletzungen vor. Die Menschenrechtsorganisation sprach von "immer mehr Beweisen" für Folter und Menschenraub dort. In den vergangenen drei Monaten seien Journalisten, Aktivisten und Demonstranten schwer verprügelt und auf andere Weise gefoltert worden, teilte Amnesty in London mit.

Der Bericht beruhe auf Informationen, die ein Amnesty-Team in den vergangenen Wochen in der Ostukraine recherchiert habe. "Die meisten Entführungen gehen auf das Konto von bewaffneten Separatisten", sagt Denis Krivosheew von Amnesty International, Vizedirektor für Europa und Zentralasien. "Die Opfer wurden oft brutal geschlagen und gefoltert. Aber auch seitens der regierungstreuen Kräfte haben wir Menschenrechtsverletzungen dokumentiert." Hunderte von Entführungen gebe es demnach in der ganzen Ostukraine, in den Regionen Donezk und Lugansk. Genaue Zahlen kenne niemand.

Ukraine startet Großoffensive

Unterdessen werden die Kämpfe in der Ostukraine heftiger und verlustreicher. Ukrainische Truppen haben eine Großoffensive gegen Rebellen-Stellungen im Osten des Landes gestartet. Bei den Städten Donezk und Lugansk habe ein "Total-Angriff" an "mehreren Frontabschnitten" gegen prorussische Separatisten begonnen, teilte das Innenministerium in Kiew mit. Zeugen berichten von schwerem Artilleriefeuer.

Bei den schweren Gefechten sind erneut Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Aufständischen sprachen von etwa 50 toten Soldaten bei blutigen Kämpfen um den Flughafen der Großstadt Lugansk. Auch das Militär räumte Verluste ein. Allerdings seien bei einem Feuergefecht nahe der Millionenmetropole Donezk auch mindestens 25 "Terroristen vernichtet" worden, sagte ein Bataillonskommandeur.

Die Verwaltung von Donezk sprach bereits vor der Großoffensive des Militärs von schweren Kämpfen rund um den stillgelegten internationalen Flughafen. Die Bewohner naher Siedlungen sollten keinesfalls die Häuser verlassen, sagte ein Sprecher. Der selbst ernannte Regierungschef der nicht anerkannten "Volksrepublik Donezk", Alexander Borodaj, bestätigte die Gefechte. Falls sich die Armee nicht zurückziehe, müssten etwa 100.000 Bürger aus Sicherheitsgründen die Stadt verlassen, behauptete er.

Ukraine-Gespräche bei WM-Finale?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande setzten bei einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin ihre Bemühungen um eine Entschärfung des Konflikts fort. Merkel und Hollande hätten von Putin erneut Druck auf die Separatisten gefordert, teilte der Élyséepalast in Paris mit.

Putin zeigte sich dem Kreml zufolge bei dem Gespräch besorgt über die wachsende Zahl von Flüchtlingen aus der Ostukraine unter anderem nach Russland. Nach Angaben von Putins Berater Juri Uschakow könnte der Kremlchef an diesem Sonntag in Rio de Janeiro am Rande des Finales der Fußball-WM kurz mit Merkel über die Ukraine sprechen.

Die Europäische Union einigte sich inzwischen auf Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen elf weitere Beteiligte des Konflikts. Damit steige die Zahl auf 71. Es soll sich vor allem um Vertreter der Aufständischen handeln. Separatistenanführer Andrej Purgin sprach von "sinnlosen" Strafmaßnahmen. "Niemand plant Fahrten nach Europa, und ein Konto hat von uns dort auch niemand", sagte er.

Kiew ist zuversichtlich

Das Militär eroberte derweil bei seiner "Anti-Terror-Operation" den strategisch wichtigen Ort Sewersk zurück. Die Aufständischen hätten die Stellungen nach kurzem Kampf geräumt, sagte ein Armeesprecher.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sieht die Separatisten immer weiter in die Defensive gedrängt. Durch Luftangriffe und massives Artilleriefeuer sei es der Armee auch gelungen, die Kampfzone in den vergangenen Tagen um die Hälfte zu verringern, sagte der prowestliche Staatschef in Kiew.

Eine Waffenruhe gebe es nur, wenn die Aufständischen zu Zugeständnissen bereit seien. Dazu gehöre die Abgabe von Waffen und die Freilassung von Gefangenen.

Das Militär versucht, die militanten Gruppen mit der Belagerung von Donezk und Lugansk zum Aufgeben zu zwingen. Insgesamt seien bei der Offensive in der Ostukraine seit Mitte April rund 200 Militärangehörige getötet und etwa 500 verwundet worden, sagte der renommierte Militärexperte Dmitri Tymtschuk. Die Behörden bestätigten zudem fast 500 zivile Todesopfer. Zudem sollen nach Schätzungen Hunderte Aufständische ums Leben gekommen.

Quelle: n-tv.de

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