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Pfeiffer und die Kirche können nicht miteinander.
Pfeiffer und die Kirche können nicht miteinander.(Foto: dapd)

Bischöfe zoffen sich mit Pfeiffer: Kirche setzt Missbrauchsstudie ab

Die Bischofskonferenz will nicht mehr mit dem Kriminologen Pfeiffer zusammenarbeiten. Der sollte eigentlich die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten. Doch das Vertrauen ist dahin, Pfeiffer erhebt schwere Vorwürfe. Er beklagt etwa die Bedingung der Kirche, alleine über die Veröffentlichung der Ergebnisse entscheiden zu wollen.

Christian Pfeiffer
Christian Pfeiffer(Foto: dapd)

Das Forschungsprojekt zur Untersuchung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ist vorerst gescheitert. Wie die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, wurde der Vertrag mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen - kurz KFN - "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung" gekündigt. Die Kirche suche nun einen "anderen Vertragspartner" für die Fortsetzung des Projekts.

Die Bischofskonferenz sprach von einem "zerrütteten" Vertrauensverhältnis zwischen Pfeiffer und den deutschen Bischöfen. Dessen Kommunikationsverhalten gegenüber der Kirche habe eine "weitere konstruktive Zusammenarbeit" verhindert.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte den Direktor des KFN, Christian Pfeiffer, der schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhob. Das Projekt sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert". Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung habe die Kirche darauf beharrt, über die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse sowie über die Auswahl der beteiligten Mitarbeiter mitbestimmen zu dürfen.

Pfeiffer will auf eigene Faust weitermachen

Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und das Forschungsinstitut hatten im Juli 2011 das Projekt vertraglich vereinbart. Laut KFN war es als weltweit umfassendste Untersuchung zu dem Thema angelegt. Akten aller Diözesen sollten teilweise seit Kriegsende auf Missbrauchsfälle untersucht und sämtliche Opfer schriftlich befragt werden. Zudem waren Interviews mit Opfern und Tätern geplant.

Der Zeitung zufolge forderte der VDD Änderungen an den Vereinbarungen, wonach die Kirche letztlich darüber hätte bestimmen können, ob die Ergebnisse veröffentlicht oder nie bekannt werden. Pfeiffer sagte im ZDF, dies sei für einen Doktoranden "inakzeptabel". Er rief die mutmaßlichen Missbrauchsopfer zudem auf, sich nun freiwillig zu melden, um das Projekt fortführen zu können. Dazu sollten entsprechende Fragebögen verschickt werden.

Der Erfolg einer Promotion hängt in Deutschland davon ab, dass die Ergebnisse publiziert werden. Wird eine Veröffentlichung daran gebunden, ob der Auftraggeber zustimmt, könnte dies die Ergebnisse vorherbestimmen, so die Argumentation Pfeiffers.

Quelle: n-tv.de

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