Der FallKlaus Landowsky
Er ist Polarisierer und Stimmungspolitiker, Banker, Strippenzieher und Mitglied des "Berliner Filz": Klaus Landowsky. Vor 40 Jahren trat er in die CDU ein, seit 20 Jahren gilt er in der Hauptstadt als Polit-Dinosaurier. Nun ist seine Zeit abgelaufen.
Zum ersten Mal in seiner Karriere stand der 58-Jährige seit Anfang 2001 im Mittelpunkt einer Affäre. "Jetzt können se quatschen", sagte er dem "Tagesspiegel". All jene Kollegen und Journalisten, die seit Jahren darauf warteten, "dass es mich wegreißt".
Doch Landowsky gab so schnell nicht auf. Zwar ließ die Rückendeckung durch den Parteifreund und Regierenden von Berlin, Eberhard Diepgen, in den letzten Wochen merklich nach. Doch der CDU-Fraktionsvorsitzende dementierte noch lange alle Gerüchte um einen bevorstehenden Amtsverzicht.
Landowskys Stärke lag jeher darin, erfolgreich in der zweiten Reihe zu agieren. Mit einem Ohr horchte er in die Partei hinein, mit dem anderen versuchte er, die Stimmung der Berliner Bevölkerung zu verfolgen. Er sei populistisch, wurde ihm denn auch oft vorgeworfen. Landowsky redete dagegen gern von "Emotionen", die auch in der Politik wichtig seien. Emotionen in ungewöhnlichem Maße schürte der gelernte Jurist 1997, als er in einer Rede vor den Berliner Abgeordneten Menschen mit Ratten verglich und damit einen Sturm der Entrüstung auslöste:
"Ich bin auch dankbar dafür, dass der Senat jetzt intensiv gegen die Verslumung Berlins vorgeht, gegen Sprayer, gegen Müll und Verwahrlosung auch der städtischen Brunnen. Es ist nun einmal so, dass dort, wo Müll ist, Ratten sind und dass dort, wo Verwahrlosung herrscht, Gesindel ist. Das muss in der Stadt beseitigt werden."
Wie immer konnte sich Landowsky aber auch damals auf die Schützenhilfe Diepgens verlassen. Beide kennen sich bereits seit Studententagen, als sie gemeinsam an der Freien Universtität Berlin Jura studierten. 1961 traten die Freunde in die CDU ein mit dem tollkühnen Plan, die SPD-Festung Berlin zu erobern. Das gelang ihnen: 1984 wurde Eberhard Diepgen Regierender Bürgermeister Westberlins. Er ist es, bis auf zwei Jahre, bis heute geblieben; nur 1989/90, als die Mauer fiel, lenkte der SPD-Mann Walter Momper zum größten Bedauern von Diepgen und Landowsky die Geschicke der Stadt.
Nicht nur in den Polit-, auch in den Berliner Finanzkreisen war Landowsky stets aktiv. Bereits 1978 rückte er zum Vorstandsmitglied der Berliner Pfandbrief-Bank auf, 1987 wurde er zum Sprecher des Vorstands. Sechs Jahre später trug er den Titel Vorstandsvorsitzender der Berliner Hypotheken- und Pfandbriefbank, 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Bankgesellschaft Berlin, im Juni 1996 Sprecher des Vorstands der Berlin Hyp.
Im Zuge der Finanzaffäre legte er diesen Posten im Februar 2001 nieder. Aber er weigerte sich, auch das einflussreiche Amt als Chef der CDU-Abgeordnetenhausfraktion abzugeben. Doch der Druck der SPD wuchs: Entweder oder lautete, die Parole des kleinen Koalitionspartners; entweder Landowsky ginge oder das CDU/SPD-Bündnis werde für gescheitert erklärt. Nun geht Landowsky.