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Das Treffen in Cancún könnte tatsächlich Hoffnung für die Welt bedeuten.
Das Treffen in Cancún könnte tatsächlich Hoffnung für die Welt bedeuten.(Foto: dpa)

Kleiner Erfolg in Cancún: Klimagipfel endet mit Kompromiss

Nach zähen Verhandlungen beschließt die UN-Klimakonferenz ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Erderwärmung. Dabei wird der Widerstand Boliviens bewusst übergangen. Klimaschützer äußern sich verhalten positiv zu den Ergebnissen. Die Vereinbarung reiche noch nicht aus, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen.

Der UN-Klimagipfel in Cancun hat sich nach zweiwöchigen Verhandlungen auf Einzelschritte im Kampf gegen die Erderwärmung geeinigt. Die Delegierten beschlossen einen Hilfsfonds für arme Länder und einen besseren Schutz tropischer Wälder. Das Zwei-Grad-Ziel wurde erstmals auf UN-Ebene offiziell verabschiedet. Die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll wurden vertagt.

Von den mehr als 190 Teilnehmerstaaten lehnte allein Bolivien das Abkommen ab.
Von den mehr als 190 Teilnehmerstaaten lehnte allein Bolivien das Abkommen ab.(Foto: dpa)

Die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa setzte sich über den erbitterten Widerstand Boliviens hinweg und erklärte, die Einwände könnten ein Übereinkommen von 190 Ländern nicht scheitern lassen. "Dies ist eine neue Ära der internationalen Zusammenarbeit gegen den Klimawandel", erklärte die Präsidentin des Gipfels in dem mexikanischen Ferienort.

Der bolivianische Unterhändler, Pablo Solon, war im Plenum wiederholt vorgetreten und hatte die Ablehnung seines Landes bekräftigt. Er verwies darauf, dass die Klimakonferenz eine Regelung nur einstimmig beschließen könne. "Ich habe natürlich Ihre Position zur Kenntnis genommen, aber wenn es keine anderen Einwände gibt, ist das Dokument angenommen", sagte Espinosa dazu. In ungewohnter Eintracht bei Klimakonferenzen sprachen sich Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA, Indien, die EU, die Malediven, Kenia, Japan, China und viele weitere Staaten äußerst lobend für die Verhandlungsführung und das Abkommen aus.

Zwei-Grad-Ziel und Grüner Klimafonds

In der Präambel eines der beiden Textentwürfe bekennen sich die 194 Mitglieder der Klimarahmenkonvention von Rio (1992) erstmals dazu, dass die Erde sich um nicht mehr als zwei Grad erwärmen dürfe. Es seien "große Einschnitte" im Treibhausgasausstoß nötig. Zudem soll im Zeitraum 2013 bis 2015 geprüft werden, ob es nicht sogar ein 1,5- Grad-Ziel geben muss. Das hatten die kleinen Inselstaaten vehement gefordert.

Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres sprach von einer historischen Einigung.
Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres sprach von einer historischen Einigung.(Foto: dpa)

Zudem soll mit Hilfe der Weltbank ein Grüner Klimafonds etabliert werden, um arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Insgesamt sehen es die Länder nach dem Entwurf als nötig an, dass bis 2020 jährlich rund 100 Milliarden Dollar (75 Mrd. Euro) Klimahilfsgeld zusammenkommt. Dazu sind voraussichtlich noch weitere Geldquellen nötig.

Keine Einigung gab es bei den Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll, in dem sich etwa 40 Industriestaaten zu einer Verringerung ihrer Treibhausgase verpflichtet haben. Sie verlangten auf der Konferenz eine stärkere Beteiligung vor allem von Schwellenländern. Staaten wie China, Brasilien und Indien wehren sich aber dagegen, die Aufholjagd ihrer Wirtschaften mit Vereinbarungen zum Klimaschutz zu beschränken.

Röttgen: Erwartungen erfüllt

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wertete die Beschlüsse als "großen Erfolg". "Cancún hat die Erwartungen erfüllt", sagte der Minister nach Abschluss der nächtlichen Schlussberatungen. Ein Erfolg bestehe darin, dass "der UNO-Prozess selbst wieder neuen Schwung gewonnen hat".

Ausdrücklich begrüßte Röttgen die Entscheidung Espinosas, den Widerstand Boliviens zu ignorieren und so den Weg frei zu machen für das Klimapaket von Cancún. "Ich finde, dass heute auch demonstriert worden ist, dass es nicht akzeptiert werden kann, dass sich ein Land allen anderen Ländern mit Erfolg entgegenstellen kann."

Germanwatch: Mehr war nicht drin

Christoph Bals von Germanwatch äußerte sich "im Großen und Ganzen" zufrieden mit dem Ergebnis von Cancún. "Mehr konnte man aus diesem Gipfel, zumal im Konsens mit den USA, nicht herausholen", sagte Bals n-tv.de. Neben einigen Detail-Vereinbarungen hob er hervor, dass die Begrenzung des Anstiegs der globalen Temperatur auf unter 2 Grad nun offizielles UN-Ziel ist.

Weniger zufrieden ist Bals mit dem Auftritt des Bundesumweltministers. "Herr Röttgen hat sicher positive Akzente gesetzt, er hat nichts Falsches gesagt, aber ihm fehlte die Vision und die Strategie, wo der Gipfel zum Erfolg geführt werden und wie dieser Prozess konstruktiv weitergeführt werden kann", so Bals.

Greenpeace: Ein Zeichen der Hoffnung

Klimaschützer äußerten sich verhalten positiv zu den Ergebnissen des Klimagipfels von Cancún. Einigkeit herrschte jedoch darüber, dass die Vereinbarung nicht ausreiche, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. "Heute hat die internationale Gemeinschaft bewiesen, dass sie doch in der Lage ist, gemeinsam wichtige Schritte gegen den Klimawandel einzuleiten", sagte WWF-Klimaexpertin Regine Günther von der Umweltstiftung WWF. "Mit der Übereinkunft von Cancún wurde eine gute Grundlage für die kommenden Klimaverhandlungen in Südafrika gelegt."

Greenpeace wertet das Abschlusspapier der Klimakonferenz in Cancún als Zeichen der Hoffnung. "Das Ergebnis ist besser, als viele hier zeitweise befürchtet haben. Trotzdem ­ es ist erst der Anfang. Jetzt muss die Arbeit richtig losgehen", sagte der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser.

Schwammige Formulierungen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht zwar kleine Schritte in die richtige Richtung und hebt den Klimafonds hervor. "Die übrigen Vereinbarungen wie beispielsweise jene zu den konkreten CO2-Minderungszielen und deren Verbindlichkeit seien jedoch extrem schwammig formuliert und enthielten zu viele Schlupflöcher." Staaten wie die USA, Japan, Kanada, Australien und China hätten weitere Fortschritte blockiert. "Wirksamer Klimaschutz wurde erneut vertagt, diesmal ins Jahr 2011 nach Durban in Südafrika", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Das Ergebnis von Cancún halte die Erderwärmung nicht unter zwei Grad.

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Quelle: n-tv.de

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