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Dieser Junge wurde bei den Kämpfen verletzt und wird in einem Krankenhaus in Stepanakert behandelt.
Dieser Junge wurde bei den Kämpfen verletzt und wird in einem Krankenhaus in Stepanakert behandelt.(Foto: AP)
Samstag, 02. April 2016

Mindestens 30 tote Soldaten: Konflikt um Gebiet im Südkaukasus eskaliert

Der blutige Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan flammt wieder auf. Im Unruhegebiet Bergkarabach gibt es schwere Gefechte mit mehreren Toten. Außenminister Steinmeier und Russlands Präsident Putin fordern ein sofortiges Ende der Kämpfe.

Bei heftigen Gefechten zwischen Armenien und das Nachbarland Aserbaidschan an der Frontlinie zum umstrittenen Grenzgebiet Berg-Karabach sind am Samstag insgesamt mindestens 30 Soldaten getötet worden. Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich. Der Feind habe die Armee von Bergkarabach mit Panzern und Artillerie angegriffen, sei aber zurückgeschlagen worden, erklärte das armenische Verteidigungsministerium. Armenische Einheiten hätten zwölf aserbaidschanische Soldaten getötet und schossen einen Hubschrauber ab.

Aserbaidschan wies die Vorwürfe zurück. Nach Angaben des armenischen Präsidenten Serge Sarkissjan wurden 18 armenische Soldaten getötet, weitere 35 Soldaten seien verletzt worden. Die Streitkräfte hätten auf massive Angriffe von armenischer Seite reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Auch Wohngebiete seien beschossen worden. Die Armee habe einige strategisch wichtige Punkte besetzt.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion brach in den 90er-Jahren ein Krieg um Bergkarabach aus, der 1994 mit 30.000 Toten und einem Waffenstillstand endete. Dennoch kommt es dort immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen, zuletzt im vergangenen Monat. Aserbaidschan droht regelmäßig, Bergkarabach mit Gewalt zurückzuerobern. Die jüngste Gewalt nährt Befürchtungen, der Konflikt in der von Öl- und Erdgas-Pipelines durchzogenen Region könnte sich ausweiten.

Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens

Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Putin sei zutiefst besorgt angesichts der Gewalteskalation, sagte sein Sprecher. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie Chefdiplomat Sergej Lawrow führten mit ihren Amtskollegen in den Hauptstätten Eriwan und Baku Krisentelefonate.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "In diesem Konflikt kann es keine militärische Lösung geben", teilte der Minister mit. Er sei in großer Sorge über die militärische Eskalation, besonders über "den Verlust von Menschenleben, auch unter der Zivilbevölkerung", so Steinmeier.

Nach Darstellung beider Seiten dauerten die Kämpfe am Nachmittag an. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan wollte sich am Abend mit seinem nationalen Sicherheitsrat treffen. Die Behörden in Bergkarabach berichteten von zwei getöteten Kindern. Erstmals seit Beginn des Waffenstillstands habe Aserbaidschan eine derart umfassende Offensive gestartet, an der auch die Luftwaffe beteiligt war, hieß es aus der Gebietshauptstadt Stepanakert.

Quelle: n-tv.de

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