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Vorsorge ist günstiger als Behandlung: Wenn Flüchtlinge lange arbeitslos bleiben, müssen Staat und Kassen mit Mehrkosten rechnen.
Vorsorge ist günstiger als Behandlung: Wenn Flüchtlinge lange arbeitslos bleiben, müssen Staat und Kassen mit Mehrkosten rechnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Wer bezahlt die Kosten?: Krankenkassen droht Flüchtlingslücke

Wer kommt für die Gesundheitsvorsorge der Neuankömmlinge auf? Die starke Zuwanderung dürfte die Krankenkassen nach Einschätzung der "Frankfurter Rundschau" erheblich belasten. Das Blatt warnt vor einer rasch anwachsenden Millionenlücke.

Den gesetzlichen Krankenkassen droht einem Zeitungsbericht zufolge ein hohes Defizit wegen des Flüchtlingszuzugs. Ohne mehr Zuschüsse aus Steuergeldern werde bereits in diesem Jahr eine Lücke von mehreren hundert Millionen Euro entstehen, schreibt die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf eigene Recherchen.

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Die Lücke entstehe, weil der Bund für Flüchtlinge und andere Hartz-IV-Empfänger viel zu geringe Krankenkassenbeiträge überweise, heißt es. Die Unterdeckung könnte sich demnach bald zu einem sehr viel größeren Problem auswachsen: Im kommenden Jahre werde das Loch bereits auf über eine Milliarde Euro anwachsen, warnt das Blatt.

Rasche Integration erforderlich

Dem Bericht zufolge werden Flüchtlinge im Sozialsystem nach einer Wartezeit von 15 Monaten normalen Arbeitnehmern gleich gestellt. Wenn sie bis dahin noch immer arbeitslos sind, erhalten sie die Grundsicherung in Form von Hartz-IV-Leistungen. Dabei haben sie nach geltendem Recht auch Anspruch auf die vollen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Kassenbeiträge zahlt der Bund. Bei Hartz-IV-Beziehern seien dies rund 90 Euro im Monat. Die Zeitung räumt ein, dass noch verlässliche Zahlen fehlten. Neben den Belastungen durch Beiträge ist zum Beispiel auch schwer einzuschätzen, wie hoch die von Flüchtlingen verursachten Gesundheitskosten tatsächlich sein werden. Erste Erfahrungswerte aus Hamburg gingen aber von Kosten von 180 bis 200 Euro im Monat aus.

Ob sich diese Werte mit dem Ziel einer belastbaren Aussage auf das gesamte Bundesgebiet hochrechnen lassen, ist noch unklar. Im Fall einer schnellen Integration in den Arbeitsmarkt, zum Beispiel, dürften die Belastungen für den Steuerzahler sehr viel geringer ausfallen - weil die Neuankömmlinge dann Steuern zahlen und ihre Beiträge im deutschen Gesundheitssystem selbst finanzieren können. Eine Stellungnahme der Krankenkassen stand zunächst aus.

Quelle: n-tv.de

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